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Jahresbericht Jugendamt

22.01.1999 Von: Pressestelle Landratsamt

Marx: Einfühlungsvermögen

und hohe Kompetenz erforderlich

Jugendamt hat ein breites

Aufgabenspektrum - Vorbeugung wichtig

VOGELSBERGKREIS ( ). „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes sind hoch belastet und benötigen für ihre vielfältigen Aufgaben Einfühlungsvermögen und hohe Kompetenz“, schreibt Erster Kreisbeigeordneter Rudolf Marx im Jahresbericht des Jugendamtes. Wie kann das Recht von Kindern durchgesetzt werden, damit sie zu ihren Unterhaltszahlungen kommen? Wie kann bei Adoptionen geholfen werden? Wie kann vorbeugend Familien geholfen werden, damit sie den Erziehungsauftrag packen? Wie kann die Unterbringung in Heimen durch andere Angebote möglichst vermieden werden? Diesen und weiteren schwergewichtigen Fragen müssen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Jugendamt widmen. Sie kümmern sich um Unterhaltsvorschuss, um Vormundschaften, Pflegschaften und Beistandschaften, um Jugend- und Familienhilfe, sie helfen vor Ort im allgemeinen sozialen Dienst.

Das Jugendamt führt derzeit etwa 1000 Vormundschaften, Pflegschaften und Beistandschaften. Es geht hauptsächlich darum, den Unterhaltsanspruch der betroffenen Kinder und Jugendlichen gegenüber ihren Vätern geltend zu machen und die fälligen Unterhaltsbeträge einzuziehen. Überwiegend handelt es sich dabei zur Zeit noch um den Personenkreis nichtehelicher Kinder. Seit 1. Juli 1998 gibt es diese Möglichkeit auch für allein sorgebrechtigte Elternteile ehelicher Kinder. Durch das „Beistandschaftsgesetz“ wird die bisher für nichteheliche Kinder kraft Gesetzes eintretende Amtspflegschaft des Jugendamtes abgeschafft und für alle alleinsorgenden Elternteile die Möglichkeit geschaffen, künftig auf freiwilliger Grundlage für Vaterschafts- und Unterhaltsangelegenheiten die Hilfe des Jugendamtes in Anspruch zu nehmen. Deutlich steigende Tendenz ist bei der Beratung in Unterhaltsangelegenheiten zu verzeichnen.

Bei der Adoptionsvermittlungsstelle des Vogelsbergkreises sind im Jahre 1998 insgesamt neun Fälle abgeschlossen worden. 11 Stellungnahmen sind in noch laufenden Fällen abgegeben worden.

Das Aufgabengebiet Unterhaltsvorschuß umfaßt neben der Leistungsgewährung an die Anspruchsberechtigten auch die Durchsetzung der Unterhaltsansprüche gegenüber den Unterhaltsschuldnern. Im Rahmen der Bearbeitung dieses Sachgebietes sind im Berichtsjahr für 715 laufende Fälle etwa 1,75 Millionen DM ausgezahlt worden. Die Tendenz ist weiterhin steigend.

Das Jugendamt kümmert sich auch um die Eingliederung von jungen Aussiedlern mit Sprachproblemen. Im Jahr 1998 sind 282 für Fälle etwa 400.000 Mark ausgegeben worden.

Das Instrument der vorbeugenden Familienhilfe, Familien- und Jugendhelfer einzusetzen, hat sich weiterhin bewährt, unterstreicht Jugenddezernent Rudolf Marx. Ziel der Maßnahme ist es, für Kinder und Jugendliche, deren Erziehung in der Familie nicht ausreichend gewährleistet ist, eine Trennung von der Familie zu vermeiden. Durch diese Hilfeform soll die Familie befähigt werden, nach einem bestimmten Zeitraum der Unterstützung wieder eigenverantwortlich zu handeln und zu leben. Bei den Familien- bzw. Jugendhelfern handelt es sich um derzeit 22 nebenamtlich tätige Fachkräfte. Familienhilfe ist im Berichtszeitraum für 75 Kinder (26 Familien) geleistet worden. Hervorzuheben ist, daß seit Anfang 1998 wieder zwei hauptamtliche Familienhelferinnen zur Verfügung stehen, die einen Vertrag mit dem Caritasverband haben.

Die Anträge der Sorgeberechtigten auf Unterbringung ihrer Kinder haben deutlich zugenommen. 129 Kinder befinden sich in Heimpflege. Hierin enthalten sind auch die Fälle der Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche, deren Anteil sich stark erhöht hat. Hinzu kommen noch 20 Minderjährige aus dem Asylbereich, die ebenfalls in Heimeinrichtungen untergebracht sind. In allen diesen Fällen werden seitens des Allgemeinen Sozialdienstes (ASD) nach den Bestimmungen des Kinder- und Jugendhilfegesetzes halbjährlich Hilfepläne für die einzelnen Kinder und Jugendlichen erstellt bzw. fortgeschrieben. Dies geschieht unter Beteiligung der Sorgeberechtigten sowie der Erzieherinnen und Erzieher vor Ort in den jeweiligen Einrichtungen.

Die Zahl der ambulanten Fälle seelisch behinderter Kinder und Jugendlicher belief sich im Jahr 1998 auf 93. Die Aufwendungen für diesen Personenkreis sind damit auf mehr als 1,5 Millionen Mark pro Jahr angestiegen. Ebenfalls 129 Kinder befinden sich in Familienpflege. 18 Minderjährige erhalten intensiv sozialpädagogische Betreuung. Die im Haushaltsplan veranschlagten Ausgaben des Vogelsbergkreises für Familien- und für Heimpflege belaufen sich auf etwa 14 Millionen Mark. Derzeit befinden sich 34 Kinder in Tagespflege