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Naturparkführer bieten Wanderung auf dem Jakobsweg an - Am 23. März

04.03.2005 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

BERICHT VON HERRN ALFRED SCHNEIDER, LAUTERBACH

Heimatforscher und u.a. verantwortlich für die Seiten

www.art-vogelsberg.de

Der Jakobsweg – oder die große

Wallfahrt des Mittelalters

Naturparkführer bieten im Vogelsberg eine Tageswanderung

am 23. März auf einem Teilstück des Jakobswegs an

Die Naturparkführer bieten innerhalb ihres Wanderprogramms 2005 unter der Leitung von Gabriele Vogt am Mittwoch, dem 23. März 2005, eine Tageswanderung auf dem Jakobsweg quer durch den Vogelsberg von Herbstein nach Schotten an. Dauer der etwa 25 km langen Wanderung ca. 8 Stunden. Treffpunkt um 9:00 Uhr am Marktplatz in Herbstein. – Rucksackverpflegung bitte mitbringen! - Infos und Anmeldung beim Naturpark Hoher Vogelsberg unter 06044/2631 oder direkt bei der Naturparkführerin Gabriele Vogt unter 06647/1262. - Kosten für die geführte Tour 9,00 € (Rücktransfer zzgl. 3-7 €)

Im Vogelsberg findet man immer wieder unter einem blauen X als Wanderkennzeichen die Aufschrift E3. Zusätzlich ist an einigen Stellen auch noch die Bezeichnung „Europäischer Fernwanderweg: Atlantik – Ardennen - Böhmerwald“ angebracht. Es ist der einzige von 11 überregionalen Fernwanderwegen, welcher den Vogelsberg durchquert. Und er hat noch eine Besonderheit: Seine Streckenführung verläuft im Wesentlichen auf Wegen, welche die vielen Wallfahrer ab den 10. Jahrhundert das ganze Mittelalter hindurch nutzten, um zum Grab bzw. der Grabeskirche des hl. Jakobus des Älteren an das Ende der damals bekannten Welt zu pilgern - nach Santiago de Compostela.

Der hl. Apostel Jakobus der Ältere wurde 44 n. Chr. enthauptet und am Berg Sinai im Katherinenkloster begraben. Als im 7. Jahrhundert Sarazeneneinfälle drohten, wurde der Legende nach sein Leichnam in die Nähe des heutigen Kaps Finisterre an den nordspanischen Atlantik gebracht. Der Wagen mit dem Sarg wurde von Ochsen gezogen. An der Stelle, an der diese anhielten, errichtete man sein Grabmal. Weiter berichtet die Legende, dass im 9. Jahrhundert ein Hirte manchmal einen Stern über einem Feld sah. Dort entdeckte man dann ein Grab mit römischen Inschriften, das man Jakobus zuordnete. Santiago de Compostela wurde damals gegründet (Santiago = Jakob, Compostela = campus stellae = Stern über dem Feld).

Vom 16. Jahrhundert an ging das Pilgerwesen langsam zurück. Später standen die Reformatoren dem Pilgern und dem damit verbundenen Ablasswesen sehr kritisch gegenüber, bekämpften es sogar. In der Zeit der Aufklärung und mit den geistigen Strömungen des Rationalismus brach man mit vielen Traditionen; Fernpilgerreisen kamen fast gänzlich zum Erliegen. Der Jakobsweg jedoch erfuhr in unserer Zeit eine Neubelebung, als ihn der Europarat im Jahr 1987 zur ersten europäischen Kulturstraße erklärte. Es waren politische Motive, die den Weg wieder ins Bewusstsein der Menschen rückten, denn an seinem Beispiel sollte sichtbar werden, dass eine kulturelle europäische Identität über Jahrhunderte hindurch trotz vieler Nationalstaaten übergreifend existierte - lange bevor es eine Europäische Union gab. Eine weitere Steigerung in seiner Beliebtheit erfuhr der Jakobsweg, als die UNESCO im Jahr 1985 die Stadt Santiago de Compostela, 1993 der Hauptweg durch Nordspanien und 1998 die vier wichtigsten Jakobswege durch Frankreich zum Kulturgut der Menschheit erklärte.

Im Landkreis Fulda ist seit dem Jahr 1999 die Strecke von Bremen in der Rhön über Hünfeld und Fulda bis Blankenau mit einer stilisierten Jakobsmuschel gekennzeichnet. Anschließend ist bis Herbstein auf den gängigen Wanderkarten die Bezeichnung „Jakobsweg“ eingetragen und am Weg das blaue X zu finden, welches den Wanderer auch über die Höhe des Vogelsbergs nach Schotten führt.

Diese Streckenführung ist eine der Möglichkeiten, dem Jakobsweg zu folgen. War man in früheren Zeiten auf einer Pilgerreise in Fulda angelangt, konnte man für den Weiterweg außer der Route über Herbstein auch der alten Reichsstraße nach Frankfurt folgen. Gerade im Kinzigtal findet man heute noch viele Kirchen und Altäre, die Jakobus geweiht sind. Ein anderer Weg führte wahrscheinlich über Lauterbach nach Marburg. So ist im Schrein des Lauterbacher Marienaltars (heute Hohhausmuseum) eine geschnitzte Jakobusfigur eingestellt und am Taufstein in der kleinen Kirche zu Hopfgarten Jakobus ebenfalls abgebildet. Von Lauterbach aus dürften aber viele Pilger auch wieder den Weg über Herbstein gewählt haben.

Herbstein ist der Ort im Vogelsberg, welcher mit Jakobus am meisten verbunden ist. Als Stadtpatron ist er wesentlicher Bestandteil des Herbsteiner Wappens. Eine überlebensgroße Jakobusfigur, die früher das Untertor zierte, steht heute auf dem Platz vor dem Rathaus. Die Herbsteiner Kirche ist, solange es Aufzeichnungen gibt, Jakobus geweiht. An einem ihrer äußeren Strebepfeiler ist ein Reliefbild des Heiligen eingelassen, im Inneren der Kirche ist er am Becken des gotischen Taufsteins abgebildet und an einem der Pfeiler des Kirchenschiffs kann der Besucher eine Jakobusfigur bewundern. An dem beachtenswerten Werk eines unbekannten Meisters sind deutlich die Attribute zu erkennen, welche die Figur als die des hl. Jakobus identifizieren: Der lange Pilgermantel, der vor schlechtem Wetter schützen soll, der Wanderstab, die umgehängte Pilgertasche und der Pilgerhut, der nach vorne eine Muschel, die Jakobsmuschel, zeigt – dazu in der linken Hand einen Rosenkranz, welche den Wanderer als Wallfahrer kennzeichnen soll.

Von Herbstein aus verläuft der Fernwanderweg E 3 über Lanzenhain zum Hohen Vogelsberg, von dort zu den markanten Felsformationen des Bilsteins und weiter über Busenborn nach Schotten. Warum aber sollten die Pilger des Mittelalters diesen beschwerlichen Weg gewählt haben? Schotten war zu dieser Zeit, wie auch die Kirche der hl. Elisabeth in Marburg, ein stark frequentierter Wallfahrtsort. Gerade solche Orte planten die Pilger auf ihrem Weg nach Santiago des Compostela immer wieder ein, besonders, wenn sie wie in Schotten mit einem päpstlichen Ablass von 40 Tagen ausgestattet waren. Die Pilger brachten viel Geld nach Schotten, und so begann man um das Jahr 1330 mit einer Vergrößerung der Kirche. Der beabsichtigte Bau konnte allerdings nicht fertig gestellt werden, da durch das aufkommende Raubritterunwesen Wallfahrten sehr unsicher wurden und mit ihrem Rückgang auch die Geldeinnahmen langsam abnahmen.

Von Schotten aus zogen die mittelalterlichen Pilger weiter nach Südwesten, trafen spätestens in Köln mit denjenigen zusammen, welche die Routen über Frankfurt oder Marburg gewählt hatten. Die Grenze nach Frankreich wurde hinter Aachen überschritten, nicht ohne vorher das Grab Karls des Großen aufgesucht zu haben.

Im Mittelalter war das hauptsächliche Motiv für eine Pilgerschaft die Suche nach dem Seelenheil, eine Schuld abzutragen oder Ablass von Sünden zu erlangen. Für viele wird es wohl auch Abenteuerlust gewesen sein, fast die einzige Möglichkeit, aus einem streng geregelten Umfeld auszubrechen. Auch heute lässt man auf dem Jakobsweg den normalen Alltag zurück, knüpft in der Begegnung am Weg Kontakte zu Menschen, welche aus religiösem, kulturellem oder sportlichen Anlass das gleiche Ziel vor sich haben.