Kontakt
Sabine Galle-Schäfer, Presse/Kommunikation
Kreisverwaltung des Vogelsbergkreises
Goldhelg 20
36341Lauterbach (Hessen)
Telefax: +49 6641 9775 333

Zwei Partner kooperieren: Oberhavelkreis und Vogelsbergkreis setzen beide Arbeitslosengeld II um - Landrat Schröter zu Gast bei Landrat Marx

09.11.2004 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

„Deutsch-deutsche Normalität:

Gemeinsam Herausforderungen angehen“

Landrat Marx empfing Landrat Schröter – Über

Konzepte zum Arbeitslosengeld II beraten

VOGELSBERGKREIS ( ). Da waren sich der sozialdemokratische Landrat aus Brandenburg und der Vogelsberger Verwaltungschef sofort einig: Dieses Land braucht mehr Optimismus und den Mut der Verantwortlichen, neue Wege zu gehen. Dies tun der Vogelsbergkreis und sein Partnerkreis Oberhavel ab sofort gemeinsam in engem Dialog: beide Kreise gehören zu den 69 Kommunen in Deutschland, die das „Optionsmodell“ umsetzen – ab 1. Januar 2005 sind sie zuständig für die Grundsicherung und Vermittlung von Arbeitssuchenden, die länger als ein Jahr arbeitslos sind.

Landrat Rudolf Marx freute sich sehr – insbesondere am 15. Jahrestag des Mauerfalls – „meine Freunde aus Oranienburg“ begrüßen zu können. Landrat Karl-Heinz Schröter, Sozialdezernent Michael Garske und Fachbereichsleiter Bernd Schulz waren in den Vogelsbergkreis gekommen, um sich eingehend über das Vogelsberger Modell zur Umsetzung des sogenannten „Hartz-IV-Gesetzes“ zu informieren. „Diese Freundschaft hat Substanz“, betonte Landrat Marx während eines Essens auf Schloss Romrod, das er zu Ehren seiner Gäste aus Brandenburg gegeben hatte. Der Oberhavelkreis grenzt an den Norden Berlins und ist etwa 1800 Quadratkilometer groß. In ihm wohnen etwa 197.000 Menschen. Die Kreispartnerschaft besteht seit 1991.

„Das ist die beste deutsch-deutsche Normalität: wir gehen gemeinsam die große Herausforderung an, kraftvoll für die Interessen der Menschen zu arbeiten“, hob Landrat Schröter hervor. Es müsse Schluss sein mit dem Jammern. Parteiübergreifend sei es endlich an der Zeit, nach vorne zu schauen. Landrat Marx verwies auf die stabilen und freundschaftlichen Beziehungen – zum Beispiel im Rahmen des Jugendförderungs-Projekts „Quer durch Deutschland“.

„Was die aktive Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit angeht, sind wir zum Erfolg verpflichtet“, unterstrich Landrat Schröter, der zugleich Vizepräsident des Deutschen Landkreistages und Präsident des brandenburgischen Landkreistages ist. Er hob die bedeutende Rolle Hessens und des Ministerpräsidenten Roland Koch bei der Durchsetzung des Optionsmodells hervor. Das Prinzip „Fördern und Fordern“ werde nun für jedermann sichtbar zum Tragen kommen. Da könne es „keine Großzügigkeit“ mehr geben, betonte Landrat Marx. Das Motto müsse heißen: „Heraus aus der Lethargie“. Beide Landkreise erhoffen sich weniger Langzeitarbeitslose und finanzielle Einsparungs-Effekte. „Wir als Landkreise haben bei den Unternehmen vor Ort wegen der deutlichen Nähe sehr gute Karten, erfolgreich zu sein“, sagte Schröter.

Werner Köhler, Leiter des Amtes für Soziale Sicherung im Vogelsbergkreis und dann auch zuständig für die „Kommunale Vermittlungsagentur“, erläuterte die Vogelsberger Konzeption zur Umsetzung des Sozialgesetzbuches II (SGB II). Er verwies auf langjährige Erfahrungen im Sachgebiet „Hilfe zur Arbeit“ und auf gute Vermittlungserfolge in den ersten Arbeitsmarkt. Dies sei vor allem auf sehr gute Vernetzungen innerhalb der Verwaltung und in der Region mit sehr vielen Einrichtungen zurück zu führen. Beide Landräte und ihre Fachleute waren sich einig, dass es nicht bei der im Gesetz vorgesehenen Probephase von sechs Jahren bleiben werde. „Die Aufgabe bleibt“, waren sich alle einig. In diesem Zusammenhang hoben Landrat Marx und Amtsleiter Köhler das „gute Einvernehmen mit den örtlichen Agenturen für Arbeit“ hervor. Landrat Schröter plädierte in dem Gespräch im Alsfelder Landratsamt dafür, die Arbeitsverträge der einzustellenden Fallmanager und Vermittler nicht zu befristen, „um die guten Leute zu bekommen“.

Bei der Konzeptvorstellung fand das Vorhaben des Vogelsbergkreises, die Fallmanager in Teams für spezifische Problemgruppen zusammen zu fassen, bei den Freunden aus Brandenburg besondere Aufmerksamkeit. Es ist vorgesehen, die bis zu 25-Jährigen, die Alleinerziehenden, die bis 50-Jährigen und die über 50-Jährigen in speziell geschulten Teams zu betreuen und die Vermittlungen in den Arbeitsmarkt anzubahnen.

In dem Fachgespräch stellten Dr. Sanda Cudic (Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft) und Cornelia Reinders (Gemeinnützige Schottener REHA) – beide Einrichtungen sind seit Jahren Partner des Vogelsbergkreises – Projekte vor, die der Eingliederung von langzeitarbeitslosen Frauen bzw. jungen Menschen in den ersten Arbeitsmarkt dienen.

Sozialpfarrer Christoph Geist, der Geschäftsführer der Neuen Arbeit Vogelsberg gGmbH, und Betriebsleiter Claus Rauhut stellten Aufbau und Abläufe in ihrer Beschäftigungsgesellschaft vor. Die Neue Arbeit ist die einzige kirchliche-kommunale Gesellschaft ihrer Art in Hessen. 40 Prozent hält die evangelische Kirche, 40 Prozent der Vogelsbergkreis und 20 Prozent ein ehrenamtlicher Verein, der aus der ehemaligen AliA hervorgegangen ist. Zwischen dem Vogelsbergkreis und der Neuen Arbeit besteht seit Jahren eine „sehr gute Kooperation und eine entwickelte Vertrauensbasis“, hoben Pfarrer Geist und Landrat Marx hervor. Ziel aller Bemühungen der Neuen Arbeit sei die Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt und die Achtung des heimischen Marktes. Man setze auf Kooperation.