Kontakt
Sabine Galle-Schäfer, Presse/Kommunikation
Kreisverwaltung des Vogelsbergkreises
Goldhelg 20
36341Lauterbach (Hessen)
Telefax: +49 6641 9775 333

Landrat Marx lobt hervorragende Kooperation mit dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft - Neue Chancen für arbeitssuchende Frauen

29.09.2003 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Marx: Hervorragende Kooperation

mit dem Wirtschafts-Bildungswerk

Bereits zum fünften Mal erfolgreich: Mit dem

Projekt „BISo“ zurück ins Erwerbsleben

VOGELSBERGKREIS ( ). „Nach meiner durch den Umzug bedingten Geschäftsaufgabe hatte ich kaum Hoffungen, dass mich noch mal jemand einstellt“, erinnert sich Astrid K., „aber durch die Teilnahme an ‚BISo’ habe ich Arbeit gefunden.“ Neben Astrid K. eröffnete das seit vielen Jahren erfolgreiche gemeinsame Integrationsprojekt des Amts für Soziale Sicherung des Vogelsbergkreises (Sachgebiet Hilfe zur Arbeit) und des Bildungswerks der Hessischen Wirtschaft zwölf weiteren Frauen einen Weg zurück ins Berufsleben, teilt Landrat Rudolf Marx mit.

Der Vogelsberger Landrat lobt die „hervorragende Kooperation der Kreisverwaltung mit dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft“. Die Praxisnähe, die Einfühlsamkeit und die klare Orientierung der Projektverantwortlichen seien „Hilfe zur Selbsthilfe und mobilisieren Kraft und Mut“ bei den Arbeitssuchenden, so Marx, der Projektleiterin Doris Haberzettl seinen herzlichen Dank ausdrückt. Vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Erwerbslosigkeit in der Region war das kürzlich erfolgreich beendete Projekt bereits das fünfte vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft im Vogelsberg durchgeführte „Berufliche Integrationsprojekt für Sozialhilfeempfängerinnen“ – kurz „BISo“ genannt –, das arbeitssuchenden Frauen einen Weg zurück in die Erwerbstätigkeit weisen will. „Nachhaltige Perspektiven werden neu geschaffen und die Sozialkassen entlastet“, unterstreicht der Vogelsberger Landrat. Die Job-Coaching-Stelle im Amt für Soziale Sicherung nimmt die Auswahl der für das Projekt in Frage kommenden Personen vor und ist während des Projekts Ansprechpartner für das Bildungswerk.

Trotz der momentan schwierigen wirtschaftlichen Situation der Betriebe konnten von den 13 Teilnehmerinnen nach Beendigung des Praktikums schließlich fünf in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen werden – darunter auch Bettina R. und Astrid K., deren gute Leistungen im Praktikum mit einer festen Anstellung im Drogeriemarkt "Der Platz" honoriert wurden. Bei zwei weiteren Frauen entscheidet sich die Festeinstellung im November.

Auch die Frauen, die nicht sofort eine Arbeitsstelle gefunden haben, haben von ihrer Teilnahme an „BISo“ profitiert: Sie haben nicht nur Bestätigung und Orientierung erfahren, sondern auch gelernt, nicht aufzugeben: Sie werden sich weiter auf dem Arbeitsmarkt bewerben, erläutert Projektleiterin Haberzettl.

 

 

BISo schafft Chancen – auf welche Weise ist das Projekt den arbeitssuchenden Frauen nützlich? – Teilnehmerinnen berichten.

Nach einer Informationsveranstaltung im Alsfelder Standort des Bildungswerks konnten sich 13 von der Job-Coaching-Stelle im Sozialamt des Vogelsbergkreises ausgewählte Frauen für das vom Vogelsbergkreis und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) finanzierte Projekt begeistern, das im August 2002 begann. Stellvertretend für die übrigen Teilnehmerinnen hatte Bettina R. zu Beginn ihrer Teilnahme an „BISo“ nur einen Wunsch: "Ich brauchte Arbeit, um endlich wieder auf eigenen Füßen zu stehen. Ich wollte von Keinem mehr abhängig sein."

Der 12-monatigen Projektphase wurde eine vierwöchige

Orientierungs- und Schulungsphase vorgeschaltet, die in den Räumen des Bildungswerks der Hessischen Wirtschaft in Alsfeld stattfand. Auf dem Lehrplan standen die Themen Berufliche Orientierung, EDV, Bewebungstraining und Selbstsicherheitstraining. Schon diese Orientierungsphase bedeutete für die Frauen eine erste Bewährungsprobe, mussten sie sich doch vom ersten Tag an auf wichtige Voraussetzungen des Arbeitsalltags einlassen: Strukturierung eines Arbeitstages, ausreichende Versorgung der Kinder, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Durchhaltevermögen.

Nach der erfolgreichen Suche eines Praktikumsplatzes wurde es dann ernst: Das Bildungswerk schloss mit den Teilnehmerinnen einen einjährigen Arbeitsvertrag mit tariforientierten Vergütungen inklusive Urlaubsansprüchen ab. Für die Akquise der Praktikumsplätze galt in erster Linie das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. "Oft sind Teilnehmerinnen verunsichert, wenn sie erfahren, was nun auf sie zukommt. Andere sind erstaunt, so schnell eine Stelle zu bekommen. Wenn sich dann die ersten Erfolgserlebnisse einstellen, sind sie stolz auf ihre Leistung. So verlieren sie innerhalb von nur wenigen Wochen ihre Angst und werden selbstsicher," berichtet die Lehrgangsleiterin Doris Haberzettl.

Bettina R. begann trotz ihrer 50%igen Behinderung mit einer gehörigen Portion Motivation und Kraft ein Praktikum im hauswirtschaftlichen Bereich der Gemeinschaft für Heilpädagogik und Sozialtherapie in Altenschlirf. Die zuständige Betreuerin erkannte schon bald den starken Willen von Bettina R. und kam zu dem Urteil: " Frau R. hat schon eine Menge bei uns gelernt, sie gibt uns sehr viel, aber auch wir lernen von ihr und möchten sie nicht mehr missen".

Bei den nach einigen Monaten geführten Übernahmeverhandlungen machten die Betriebe Aussagen, ob sie ihre Praktikantin nach Beendigung des Jahres weiterbeschäftigen würden. Bestanden keine Übernahmemöglichkeiten, suchten die Frauen gemeinsam mit ihrer Lehrgangsleiterin einen neuen Praktikumsplatz, damit sie weiterhin eine Chance auf eine dauerhafte Anstellung hatten. Auf diese Weise wurden zum Teil zwei bis drei Wechsel innerhalb des Jahres vorgenommen.

Während der Praktikumsphase nahmen die Frauen an weiteren Beratungs- und Trainingsprogrammen teil, die speziell auf ihre Situation zugeschnitten waren. Im Rahmen eines wöchentlichen Reflektions- und Schulungstages in den Räumen des Bildungswerks der Hessischen Wirtschaft wurden Einzelgespräche geführt und Schlüsselqualifikationen wie Kommunikations-, Team- und Konfliktfähigkeit trainiert. Doch auch allgemeinbildende Themen wie die Neue Deutsche Rechtschreibung, Grundlagen der EDV, Wirtschafts- und Sozialkunde, Recht und Gesundheit standen auf dem Lehrplan, der zusammen mit der Lehrgangsleiterin und erfahrenen DozentInnen gestaltet wurde.

Zum Abschluss des Lehrgangs wurde während einer kleinen Feierstunde im Bildungswerk Bilanz gezogen: "Uns wird der Mittwoch fehlen" oder "Es ist wirklich schade, dass nun schon alles vorbei ist" waren die Kommentare der Frauen. Jeden ersten Freitag im Monat soll eine Zusammenkunft stattfinden. Ein Termin zum Nachtreffen im Oktober wurde vereinbart. "So verliere ich die Frauen nicht ganz aus den Augen, kann ihren weiteren Weg noch ein wenig begleiten und vielleicht der Einen oder Anderen bei der Suche nach einem Arbeitsplatz behilflich sein", meint Doris Haberzettl.