Kindertagespflegestelle "Kleine Holzwürmer"


So sieht ein typischer Tagesablauf in meiner Tagespflegestelle aus:

  • 8 bis 8.30 Uhr: Ankommen und Freispiel
  • 8.30 bis 8.45 Uhr: Morgenkreis
  • 8.45 bis 9.15 Uhr: Obstfrühstück
  • 9.15 bis 10.15 Uhr: Spaziergang
  • 10.15 bis 11.30 Uhr: Zeit für Freispiel oder angeleitete Aktionen, Wickelrunde, gemeinsames Aufräumen
  • 11.30 bis 12.15 Uhr: Mittagessen (frisch zubereitet)
  • 12.15 bis 13 Uhr: Abschlusskreis und Abholzeit
Porträtfoto Rodena Zinn

Meine Schwerpunkte/Besonderheiten in der Betreuung:

  • Die Ziele und Bildungsmöglichkeiten liegen bei den „kleinen Holzwürmern“ im Folgenden:
    • Individualität durch die Kleingruppe
    • ausreichend Zeit für Freispiel
    • Sprachförderung durch eine gute Sprachumgebung
    • Rituale, die uns täglich begleiten
    • gesunde Ernährung
    • Spaziergänge

Mein schönstes Erlebnis als Tagesmutter:

  • Ein schönstes Erlebnis kann ich tatsächlich nicht benennen. Es gibt täglich schöne Momente. Deshalb mache ich meine Arbeit auch so gerne. Es freut mich immer besonders, wenn ich sehe, dass ein Kind wieder einen Entwicklungsschritt weiter ist. Oder wenn Kinder plötzlich etwas Besonderes können, was vorher partout nicht gelingen wollte.

Ich liebe meine Tätigkeit als Tagesmutter weil:

  • Die Arbeit mit Kindern so „echt“ ist. Kinder spielen einem nichts vor, sie verstellen sich nicht. Das finde ich erfrischend.

Meine Herausforderungen und Stolpersteine als Tagesmutter:

  • Ich hatte einmal eine besondere Gruppenkonstellation: Zu zwei Zweijährigen gesellte sich ein acht Wochen alter Säugling. Zu Beginn war es schon recht neu, sich um so ein kleines Kind zu kümmern, Fläschchen zu kochen und ganz anderen kindlichen Bedürfnissen nachzukommen, als ich es bis dahin aus meiner Arbeit kannte. Aber wir haben uns alle schnell in die Situation eingefunden.

Fragebogen

Warum sind Sie Tagesmutter geworden?

  • Um Familie und Beruf besser zu vereinen. Als staatlich anerkannte Erzieherin war es da naheliegend, mich als Tagesmutter selbstständig zu machen.


Würden Sie es wieder machen? Warum?

  • Ich würde den Schritt immer wieder gehen. Weil es für meine Familie und mich eine sehr gute Entscheidung war.


Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an Kindertagespflege?

  • Die familiennahe Betreuung.


Was ist aus Ihrer Sicht der Vorteil der Kindertagespflege für die Kinder/Eltern?

  • Einen Vorteil sehe ich hier ganz klar in der Kleingruppe. Die Kinder haben eine feste, nicht wechselnde Bezugsperson. Es gibt einige Kolleg*innen, die auch Betreuung am Wochenende und/oder über Nacht anbieten. Deshalb kann Kindertagespflege schon flexibler sein als eine Einrichtung.


Viele Eltern entscheiden sich gegen eine Tagesmutter, weil Ihnen das Korrektiv fehlt. In einer Kita sind ja immer mehrere Erzieher*innen da, die im besten Fall mitbekommen, wenn eine Kollegin mal überfordert ist. Das ist bei einer Tagesmutter anders. Können Sie die Bedenken der Eltern nachvollziehen? Und was entgegnen Sie Ihnen?

  • Auf den ersten Blick kann ich diese Bedenken bedingt verstehen. Aber wenn man genauer hinsieht, dann haben wir im Hintergrund die Fachstelle für Kindertagespflege, die uns mit Rat und Tat zur Seite steht. Die Fachberatung kommt auch regelmäßig zu einem Hausbesuch vorbei. Um sein Kind in eine Betreuung zu geben braucht es letztendlich Vertrauen. Egal, welche Art der Betreuung man wählt.

Wie werden Eltern auf Sie aufmerksam?

  • Häufig durch Mund-zu-Mund-Propaganda.

Welche Tipps können Sie Eltern an die Hand geben, wenn diese nach einer geeigneten Kindertagespflegeperson suchen?

  • Am besten macht man einen Termin für ein persönliches Gespräch aus. Beim Besichtigen der Räumlichkeiten und beim Kennenlernen bekommen Eltern meist einen guten Eindruck, ob sie sich vorstellen können, das eigene Kind täglich dort hin zu bringen. Gegenseitige Sympathie spielt hierbei eine große Rolle.

Wie erkennen Eltern, ob eine Tagesmutter „gut“ ist? Und was sind NoGos, die Eltern auffallen sollten?

  • Ich glaube, das ist eine sehr individuelle Entscheidung, die ich so pauschal gar nicht beantworten kann. Während das eine Elternpaar es bevorzugt, dass die Tagesmutter Haustiere hat, ist das für ein anderes Elternpaar ein Ausschlusskriterium, weil eine Allergie bekannt ist. 

Wie läuft bei Ihnen in der Regel eine Eingewöhnung?

  • Das Kind kommt vor der eigentlichen Eingewöhnung bereits mehrmals mit einer Bezugsperson (meist die Mutter) zum Spielen vorbei. Hierbei lernt es mich, die anderen Kinder und die Räumlichkeiten kennen. Mit dem Beginn der Eingewöhnung kommen das Kind und die Mutter täglich für circa 1,5 Stunden vorbei. Wenn ich merke, dass mir das Kind zugewandt ist, beginnen wir mit einer kurzen Trennung. Im Idealfall kann die Trennung dann langsam aber stetig gesteigert werden, so dass das Kind am Ende der Eingewöhnung die vereinbarte Betreuungszeit alleine schafft.

Wie erleben Sie die Eltern bei der Eingewöhnung?

  • Manche Eltern sind ein wenig aufgeregt, besonders bei den ersten Trennungsversuchen. Das kann ich aber gut verstehen. Immerhin vertrauen sie mir ihr Wichtigstes an.

Wie unterstützen Sie die Kinder/die Eltern bei der Eingewöhnung?

  • Wir besprechen vorher gemeinsam, wie die Eingewöhnung abläuft und klären alle Fragen. Eltern sollten für ihr Kind da sein, aber nach Möglichkeit im Hintergrund bleiben. Mit den Kindern versuche ich positive Momente zu erleben, um langsam eine Beziehung aufzubauen. Es ist ein vorsichtiges Herantasten in einer sehr sensiblen und auch aufregenden Zeit.

Was ist wichtig für das Gelingen einer Eingewöhnung?

  • Vertrauen und Empathie, von allen Beteiligten.

Wie gestalten Sie die Übergänge zum Kindergarten?

  • Wenn Kinder in den Kindergarten kommen sind sie oft schon in einem Alter, in dem man einiges mit ihnen besprechen kann. Wir schauen uns zum Beispiel Bilderbücher an und thematisieren den Abschied immer wieder im Alltag. Jeder Abschied findet im Rahmen einer kleinen Feierstunde statt. Zu Abschieden bringen die Eltern ein besonderes Frühstück von zu Hause mit. Da sind dann auch mal ausnahmsweise Gummibärchen erlaubt. Jedes Kind hat während der Betreuung an seinem Garderobenfach ein Foto von sich hängen. Dieses Foto wird nach dem Verlassen in einer sogenannten Ehemaligengalerie für alle sichtbar in meinen Räumlichkeiten aufgehängt. Somit bleibt das Kind auch optisch in Erinnerung und wir sprechen noch oft von den „Großen“, wer alles schon ein „kleiner Holzwurm“ war, und nun im Kindergarten ist. Eine der lustigsten Situationen erlebte ich übrigens einmal bei einer Abschiedsfeier, bei der gleich zwei Kinder die Kindertagespflege verließen. Eins der Kinder schaute mich an und sagte: „Also wir gehen nach den Ferien in den Kindergarten. Aber was ist mit dir, Rodena? Du musst doch noch ein bisschen hierbleiben, oder?

Was hat sich durch Corona an ihrer Tätigkeit geändert? / Wie läuft die KTP auch unter Pandemiebedingungen weiter?

  • Natürlich hat sich die Arbeit durch die Pandemie verändert. Wir waschen nun mehrmals täglich unsere Hände, was von mir begleitet werden muss. Die Räume werden regelmäßig gelüftet und Spielzeug noch häufiger gereinigt als vorher schon. Trotzdem versuche ich, dass die Kinder so wenig wie möglich spüren zu lassen.

Was sind für sie aktuell wichtige Themen in ihrer Arbeit? (Worüber machen sie sich viele Gedanken? Welche Problematiken begegnen ihnen häufig?)

  • Die Pandemie. Ich hoffe sehr, dass es nicht noch einmal zu einem Betretungsverbot kommt. Es war eine harte Zeit in 2020, als die Räume leer blieben. Zum Glück hatte ich die Möglichkeit über das Handy Kontakt zu den Kindern und ihren Familien zu halten. Außerdem ist der Spagat zwischen Arbeit und Homeschooling der eigenen Kinder ein Kraftakt.

Was würden Sie neuen Kindertagespflegepersonen mit auf den Weg geben?

  • So, wie wir die Kinder beim Wachsen begleiten, wächst man auch als Tagesmutter in die Aufgaben hinein. Nehmt euch Zeit dafür. Lieber erst einmal mit wenigen Kindern starten, um dann die Gruppe zu vergrößern. Bleibt authentisch und setzt die Schwerpunkte in eurer Arbeit bei Dingen, die euch selbst gut liegen.Und zu guter Letzt natürlich: Ganz viel Spaß mit den Kindern!

Steckbrief

  • Name: Rodena Zinn
  • Alter: 41
  • familiäre Situation: verheiratet, 3 Söhne im Alter von 15, 9 und 7 Jahren
  • Name der Kindertagespflegestelle: „kleine Holzwürmer“
  • Ort der Betreuung: 36304 Alsfeld-Eifa. Ich betreue in einer separaten Wohnung, die extra für die Kindertagespflege gebaut wurde.
  • Anzahl der Kinder: zurzeit 3 Tageskinder
  • Altersspektrum der Tagespflegekinder: In der Regel zwischen 1 und 3 Jahre alt
  • Betreuungstage und -zeiten: Montag bis Donnerstag jeweils von 8 bis 13 Uhr
  • Tagesmutter seit: 2016
  • Anzahl der Kinder, die seitdem in meiner Tagespflegestelle betreut wurden: 13