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Den ländlichen Raum fördern statt Ballungsraum verdichten

24.10.2019

Blick vom Hoherodskopf: So nah ist Rhein-Main... Foto: Gaby Richter

Liebe Leserin, lieber Leser,

haben Sie auch gelesen, dass unser Hessischer Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir ein groß angelegtes Förderprogramm fürs Bauen im sogenannten „Frankfurter Bogen“ angekündigt hat? Mit 75 Millionen will er dafür sorgen, dass in einem Radius von 30 Bahnminuten um den Frankfurter Hauptbahnhof herum 200.000 neue Wohnungen entstehen. Da kann ich meinem Ersten Kreisbeigeordneten nur beipflichten, der darauf mit seiner Forderung nach einer ebensolchen Wohnungsbau-Förderung im ländlichen Raum reagiert hat.

Es kann nicht sein, dass sich alles ausschließlich im Rhein-Main-Gebiet abspielt, auch der Rest von Hessen ist lebenswert, und es sollte dem Wirtschaftsminister daran gelegen sein, dass das auch so bleibt. Dazu könnten auch weitere Arbeitsplatzverlagerungen nach dem Vorbild des Hessischen Finanzministers beitragen - vielen ehemaligen Pendlern hat das eine enorme Erleichterung gebracht.

Würde man in Wiesbaden erkennen, dass der ländliche Raum eine entscheidende Rolle bei der Lösung des Wohnungsproblems spielen kann, wäre das ein erster wichtiger Schritt. Dann müssten natürlich weitere folgen und eine gute Verkehrsinfrastruktur geschaffen werden, mit einem funktionierenden wie finanzierbaren ÖPNV. In unseren Städten und Gemeinden drohen Leerstand und der Verfall wertvoller Gebäude, weil wegen fehlender oder schlechter Verkehrsanbindung ein potenzieller Interessent zweimal überlegt, ob er hier investieren soll. Oder aber es stehen Denkmalschutzgründe einer Sanierung entgegen - auch hier könnte das Land bei privaten Umbauten mit zusätzlichem Fördergeld helfen.

Wenn es um die Angleichung der Lebensverhältnisse in Stadt und Land geht, dann machen alle diese Investition auch außerhalb eines 30-Minuten-Radius um Frankfurt Sinn: Sie können zu einer Entlastung im Ballungsraum führen, statt ihn weiter zu verdichten. Bei uns steht Wohnraum zur Verfügung, kostengünstiger als im Rhein-Main-Gebiet. Und in Zeiten von Home-Office und Work-Life-Balance mit Teilzeitbeschäftigung und Familienzeiten dürfte die Frage, ob ich in 30 Minuten am Frankfurter Hauptbahnhof bin, nicht wirklich die entscheidende Rolle spielen.

Ihr

Manfred Görig

Landrat