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Amt für Bauen und Umwelt
Goldhelg 20
36341 Lauterbach
Telefax: +49 6641 977 - 461

Biodiversitätsstrategie

Verschiedene Habichtskräuter als Nahrungsquelle. Foto: Susanne Jost

Am Thema Biodiversität und der Umsetzung konkreter Maßnahmen arbeiten in der Kreisverwaltung zwei Ämter: Das Amt für Wirtschaft und den ländlichen Raum – hier die Abteilungen Landschaftspflege und landwirtschaftliche Förderung – ist vorwiegend für den Bereich Landwirtschaft zuständig. Das Amt für Bauen und Umwelt – hier besonders die Untere Naturschutzbehörde – ist mit Projekten außerhalb der klassischen Landwirtschaft beschäftigt, wie beispielsweise mit Aufwertungsmaßnahmen an Teichen, Quellen, Gewässern, Gebäuden und im Wald.

In 2011 verabschiedete die EU eine neue Biodiversitätsstrategie mit dem Ziel, den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen.

Am 3.6. 2013 wurde die Hessische Biodiversitätsstrategie von der Landesregierung verabschiedet. Gleichzeitig wurden kreisspezifische Arten und Lebensraumtypenlisten durch das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) erstellt und dienen als Grundlage für die Steuerung von Projekten und Haushaltsmitteln. https://umwelt.hessen.de/umwelt-natur/naturschutz/hessische-biodiversitaetsstrategie


Amt für Wirtschaft und den ländlichen Raum - Landschaftspflege und landwirtschaftliche Förderung

Blühstreifen in Frischborn Fotos: Joachim Schönfeld
Sitzpfosten mit Altgrasstreifen für das Braunkehlchen. Im Altgrasstreifen findet der Ameisenbläuling seine Nahrungsquelle.

 

Ansprechpartner sind:

  • Ronny Mohr, Sachgebietsleitung Agrarförderung, 06641-977-3510
  • Marion Schindler, Sachgebietsleitung Landschaftspflege, 06641-977-3530

Das hessische Agrarumweltprogramm (HALM)
https://umwelt.hessen.de/agrarumweltprogramm ist unter anderem ein Instrument der Hess. Landesregierung, um in der Landwirtschaft die Umsetzung der Biodiversitätsstrategie zu erfüllen. Ein Anteil von 14.330 ha ökologisch bewirtschafteter Flächen und ca. 5.000 ha extensive Grünlandbewirtschaftung entsprechen bereits ca. 30 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche (LNF) im VB Kreis, und bilden damit eine solide Grundlage zur Umsetzung der Biodiversitätsstrategie.

Natura 2000
Für den Vogelsbergkreis gilt: in den FFH Gebieten sind ca. 1.054 ha Lebensraumtypen (LRT) kartiert. Für  851 ha wurde von den Mitarbeitern Landschaftspflege, Bewirtschaftungsvereinbarungen im Rahmen vom Hessischen Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen (HALM) getroffen, mit dem Ziel einen günstigen Erhaltungszustand zu erreichen. Jährlich werden unter Auswertung von Gutachten aktuellen Bestandsauswertungen, Einbindung des ehrenamtlichen Naturschutzes und mit Landwirten, zusätzliche Maßnahmen zum Erhalt des artenreichen Grünlandes und den kreisspezifischen Arten vereinbart.

Insgesamt werden ca. 1,1 Mill. € (auch außerhalb von FFH-Gebieten) in die Erhaltung, bzw. Verbesserung der Lebensraumtypen (LRTs) und des Artenschutzes investiert.

Artenschutzmaßnahmen

Spezielle Artenschutzmaßnahmen, u. a. durch die Landschaftspflege angestoßen und  umgesetzt, z. B. für Braunkehlchen (ab 2010), Wiesenbrüter (ab 2005), Kugelhornmoos (ab 2007), Arnika (ab 2010), Ameisenbläuling (ab 2010), ergänzen die HALM Vereinbarungen.

Durch Zusammenarbeit mit dem ehrenamtlichen Naturschutz, den Landwirten und der Landschaftspflege wurde die Anlage von Blühflächen und -streifen unterstützt, um die bereits aufgeführten Maßnahmen in der Landwirtschaft (ca. 120 ha) zu ergänzen.


Amt für Bauen und Umwelt – Untere Naturschutzbehörde

Kleiner Fuchs in der Sonne; Fotos: Susanne Jost
Tagpfauenauge an einer Heilziestblüte

 

Ansprechpartner sind:

Gudrun Huber (Telefon: 06641 977-261), Bernhard Christof, Wolfgang Dahmer, Karl-Heinz Schäfer, Susanne Jost

Unter der Devise „Die biologische Vielfalt lebt vom Mitmachen“ hatte die Untere Naturschutzbehörde im Jahr 2016 eine Kreiskonferenz zur Biodiversität konzipiert und durchgeführt. Seitdem wurden bereits vielfältige Projekte zum Erhalt, zur Wiederherstellung und zur Verbesserung der Biodiversität durchgeführt.
Die 2. Biodiversitätskonferenz für den Vogelsbergkreis ist in Planung und soll am Dienstag, den 5. Juni 2018 in Ulrichstein stattfinden.
Bei dieser Konferenz soll auch der Vogelsberggarten mit seiner überaus bemerkenswerten Biodiversität besichtigt werden.

Auch für die 2. Biodiversitätskonferenz erhofft sich die Untere Naturschutzbehörde, dass Menschen aus der Region mitmachen, denn die Erhaltung der Biodiversität ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Nur wenn viele mitmachen, kann die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten sowie deren Lebensräume für nachfolgende Generationen  erhalten und erlebbar bleiben.

Die Projekte werden in einer sehr guten Kooperation mit Bürgern, Städten und Gemeinden, Behörden und insbesondere auch mit den Forstämtern und Naturschutzgruppen entwickelt und realisiert. Aus dem Förderprogramm des Landes Hessen für Biodiversitätsmaßnahmen wurden bereits mehrere  Maßnahmen im Vogelsbergkreis realisiert. Beispielsweise im Vogelsberggarten in Ulrichstein, in Aufwertungsmaßnahmen an Teichen, Quellen, Gewässern, Gebäuden und im Wald. In Zusammenarbeit mit Bürgern wurde die Habitataufwertung in einer ehemaligen Sandkaute, an einem warmen, südexponierten Sonderstandort vorgenommen. Dies soll u.a. wärmeliebenden Insekten Lebensraum ermöglichen.

Zusammen mit dem Botanischen Garten Frankfurt wird an dem Projekt „Erhaltungskulturen einheimischer Pflanzenarten Hessens“ gearbeitet. Hierbei geht es um eine sehr seltene Pflanze aus dem Vogelsbergkreis, Sedum villosum (Sumpf Fetthenne), die früher häufiger im Vogelsbergkreis vorkam und nun vom Botanischen Garten vermehrt wurde. Diese Pflanze konnte jetzt wieder ausgepflanzt werden, damit sie nicht ausstirbt. Dieses Projekt wird über den Botanischen Garten Frankfurt aus KFW-Stiftungsmitteln finanziert.

Weitere Maßnahmen zur Biodiversität sind seitens der Unteren Naturschutzbehörde bereits in Planung. Wer Vorschläge für Maßnahmen zur Verbesserung der Biodiversität machen möchte, kann sich gerne an die Untere Naturschutzbehörde wenden.


Chance Natur für den Vogelsberg

Das Logo des Naturschutzgroßprojekts Vogelsberg - Klick aufs Bild führt zur Webseite des Naturschutzgroßprojekts

Großflächig, besonders schützenswert, charakteristisch und bundesweit beispielhaft müssen Landschaften sein, um in die Bundesförderung für Naturschutzgroßprojekte aufgenommen zu werden. Als größtes zusammenhängendes Basaltmassiv Mitteleuropas besitzt der Vogelsberg all diese Merkmale. Bei hohen Niederschlägen und dank einer traditionell kleinbäuerlichen Nutzung, haben sich außergewöhnliche Kombinationen von Lebensräumen eingestellt. Neben hunderter Quellen, zahlreicher Bäche und ruhigen Wäldern sind auch die blumenreichen Bergwiesen ein prägendes Element unserer Mittelgebirgslandschaft.

Die Kulisse des Naturschutzgroßprojektes umfasst 92.000 ha und beinhaltet 53 Förderräume von insgesamt 7.600 ha Fläche, in denen vorrangig Maßnahmen zum Erhalt und zur Entwicklung der wertvollen Lebensräume durchgeführt werden. Das Auffinden von 90 bedrohten Pflanzenarten und 140 gefährdeten Tierarten unterstreicht die nationale Bedeutung des Gebietes für den Naturschutz. Mit Arnika, Weichhaarigem Pippau, Bechsteinfledermaus, Mittelspecht und Rotmilan leben im Vogelsberg Tiere und Pflanzen, für die Deutschland, aufgrund ihrer weltweiten Seltenheit, eine besondere Verantwortung trägt.

Mit Übergabe des Förderbescheids am 08.08.2015 begann die bis 2024 geplante Umsetzungsphase mit einem Fördervolumen von 9,5 Mio. Euro. Die Finanzierung des Projekts erfolgt zu 65 % durch die Bundesrepublik Deutschland, 25 % werden durch das Land Hessen getragen und 10 % stellt der Landkreis zur Verfügung.

Der Trägerverein „Natur- und Lebensraum Vogelsberg e.V.“ setzt mit seinem 4-köpfigem Projektteam die geplanten Maßnahmen um. Die Fördermittel werden für das Biotopmanagement, den Ankauf von Grundstücken, projektbegleitende Informationsmaßnahmen, Evaluierungen und Personal- und Sachkosten verwendet.

2018 werden schwerpunktmäßig Maßnahmen im Offenland, also vor allem auf den schützenswerten Bergmähwiesen und Borstgrasrasen durchgeführt. Viele der schwer zu bewirtschaftenden und weniger ertragreichen Flächen sind in den letzten Jahrzehnten wenig genutzt worden und Büsche haben sich breit gemacht. Ziel des Naturschutzgroßprojekts ist es, die Flächen wieder instand zu setzen und für eine regelmäßige und naturschutzgerechte Bewirtschaftung zu sorgen. Artenarme Grünlandbestände werden mit Druschgut sehr artenreicher Wiesen aufgewertet, indem die gedroschenen Samen auf der vorbereiteten Fläche ausgebracht werden.

Seit einigen Jahren verdrängt die ursprünglich aus Nordamerika stammende Lupine die Arten der Bergwiesen. Das Naturschutzgroßprojekt setzt sich deshalb konsequent für die Bekämpfung dieses Neophyts ein, indem die Pflanzen samt ihrer Wurzel ausgestochen und fachgerecht entsorgt werden.

Neben diesen Maßnahmen ist aber auch der Ankauf von naturschutzfachlich hochwertigen Flächen ein wichtiges Anliegen des Naturschutzgroßprojekts. Durch den Erwerb der Flächen, können diese für die Zukunft gesichert und durch entsprechende Pachtverträge die naturschutzgerechte Bewirtschaftung garantiert werden.

Fazit:
Das Naturschutzgroßprojekt ist eine große Chance für die Region, gefährdete Arten zu unterstützen und Lebensräume zu erhalten und zu optimieren. Gleichzeitig bietet es den Landnutzer in Land- und Forstwirtschaft die Gelegenheit ihre Flächen aufzuwerten und sie in enger Zusammenarbeit mit den Behörden auch zukünftig naturschutzgerecht und dennoch auskömmlich bewirtschaften zu können. Der Vogelsbergkreis ist eine historisch gewachsene, besonders strukturreiche Mittelgebirgs-Kulturlandschaft, mit einem überdurchschnittlichen und bemerkenswerten Artenreichtum. Diese Biodiversität für zukünftige Generationen zu sichern ist ein Hauptziel des Naturschutzgroßprojekts.