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100 Jahre Katasteramt - Ausstellung im Alsfelder Regionalmuseum durch Landrat Rudolf Marx eröffnet

14.01.2003 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

100 Jahre Katasterämter

Rede von Herrn Landrat Marx zur Eröffnung der Ausstellung am 14.1. 2003 um 11.00 Uhr im Regionalmuseum Alsfeld. Es gilt das gesprochene Wort.

Das 100jährige Jubiläum der Katasterämter in unserem Raum ist eine gute Gelegenheit ihre Entwicklung einmal kurz darzustellen und dabei zu verdeutlichen, wie anpassungsfähig sich diese Fachbehörden allen Veränderungen in den vergangenen 100 Jahren stellten und sich dabei zu modernen Dienstleistungsbehörde entwickelt haben.

Wie bereits ausgeführt befanden sich die Katasterunterlagen vor 1902 bei den Steuerkommissariaten. Neben dem Zweck einer gerechten Verteilung der Grundsteuer hatte das Liegenschaftskataster zunehmend an Bedeutung für die Sicherung des Grundeigentums gewonnen. Die Einführung der Grundbuchordnung und des Bürgerlichen Gesetzbuches zur Jahrhundertwende bildete die reichseinheitlichen Rechtsgrundlage in diesem Bereich.

Da die Steuerkommissariate aber nicht mit vermessungstechnisch vorgebildetem Personal besetzt waren, lag die Laufendhaltung und Fortführung der Katasterunterlagen häufig im Argen.

Um diese ungünstige Situation zu beseitigen, richtete die Regierung des Großherzogtums Hessen-Darmstadt am 1.8.1902 30 Kreisvermessungsämter ein – die Vorgänger der heutigen Katasterämter. Die zuvor freischaffenden Geometer 1. Klasse wurden Leiter dieser neuen Behörden und erhielten die Amtsbezeichnung „Kreisgeometer“. Allein 5 davon hatten ihren Sitz im Gebiet des heutigen Vogelsbergkreises - nämlich in Alsfeld, Grebenhain, Homberg (Ohm), Lauterbach und Schotten. In Schotten wurde darüber hinaus ein zusätzlicher Unterbezirk eingerichtet.

Diese außerordentliche Dichte von Katasterbehörden im landesweiten Vergleich ist bemerkenswert und lässt vermuten, dass die Standortentscheidung sich seinerzeit nicht ausschließlich am Arbeitsaufkommen orientierte, sondern auch andere Erwägungen eine wesentliche Rolle spielten.

Im Vogelsbergkreis trug die Feld- und Flurbereinigung entscheidend zum Aufbau des Liegenschaftskatasters bei. Sie schuf in weiten Teilen erstmalig einen parzellenscharfen Eigentumsnachweis. Lediglich in den Altstadtkernen von Lauterbach, Schotten, Kirtorf, Schlitz und Homberg sowie in den Waldgebieten um Schlitz gründet sich der heutige Katasternachweis noch auf Parzellarvermessungen des 19. Jahrhunderts oder auf spätere Neuvermessungen. Alle übrigen Kataster sind Ergebnisse von Feld- oder Flurbereinigungen !

Besondere Beachtung verdient das Katastergesetz von 1926 , das durch seine Klarheit und Kürze besticht. Es wertete das bisherige Steuer- und Eigentumskataster zum Mehrzweckkataster auf und bestimmte zukunftsweisend, das Kataster habe die Bedürfnisse von Recht, Wirtschaft und Besteuerung zu erfüllen. Folglich wurde seiner Erneuerung und Laufenthaltung ein besonderes Gewicht beigemessen.

Aber auch in dieser Zeit musste trotz wachsender Aufgaben schon gespart werden, denn im Jahre 1932 wurde die Zahl der Katasterämter auf 21 reduziert. Im Vogelsbergkreis verblieben lediglich Dienststellen in Alsfeld und Lauterbach. Die gleichzeitige Eingliederung von Teilen der Feldbereinigungsverwaltung in die Katasterämter war zwar nicht von Dauer, findet jedoch in der letzten Verwaltungsreform eine Parallele. Man sieht – gute Reformen haben Vorgänger in der Geschichte !

Mit der Bildung des Landes Hessen im Jahre 1945 begann die Geschichte der Hessischen Kataster- und Vermessungsverwaltung.

Der Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg erforderte außerordentliche Anstrengungen. Es galt neben dem allgemeinen Tagesgeschäft, die Vermessungsgrundlagen in den einzelnen Landesteilen zu vereinheitlichen, ein Rahmenkartenwerk aufzubauen und ein neues Buchwerk fertig zu stellen.

Im Jahre 1956 wurden im Lande Hessen mit dem Katastergesetz und dem Abmarkungsgesetz einheitliche Rechtsgrundlagen geschaffen. Auch diese Gesetze förderten die Entwicklung vom Steuerkataster über das Eigentumskataster hin zum Mehrzweckkataster. Das Kataster sollte sich an den Bedürfnissen der Gesellschaft orientieren und anpassungsfähiger werden.

Mit dem Bundesbaugesetz stellte sich im Jahre 1960 eine neue Herausforderung auf dem Gebiet der Bodenordnung. Die Katasterämter unterstützen seither die Städte und Gemeinden bei der Bereitstellung von Bauland mit den Instrumenten der Baulandumlegung und der Grenzregelung.

Seit 1981 wurden nach und nach die "Geschäftsstellen der Gutachterausschüsse zur Ermittlung von Grundstückswerten " den Katasterämtern zugeordnet. Im Vogelsbergkreis war dies am 1. Februar 1995 der Fall. Aufgabe der Gutachterausschüsse ist es, Einzelgutachten zu erstellen und durch die Festsetzung von Bodenrichtwerten für Transparenz auf dem Grundstücksmarkt zu sorgen. Hierzu erfasst das Katasteramt alle Grundstückskaufverträge und wertet sie aus.

Ohne elektronische Datenverarbeitung wären die angestammten und hinzugetretenen Aufgaben nicht in der erstrebten Qualität zu leisten gewesen. Die Kataster- und Vermessungsverwaltung verband daher stets ihre technische Kompetenz mit den expandierenden Möglichkeiten der Automation.

Bereits im Jahre 1960 wurden umfangreiche vermessungstechnische Berechnungen mit einem Computer des Landesvermessungsamt ausgeführt, der zu den leistungsfähigsten seiner Zeit zählte.

Die Umstellung der Katasternachweise auf eine automatisierte Führung und Nutzung war eine zentrale Aufgabe der jüngeren Vergangenheit.

Diese Weiterentwicklung des Liegenschaftskatasters findet ihre Grundlage im hessischen Vermessungsgesetz von 1992, das die automatisierte Führung der Nachweise von Liegenschaftskataster und Landesvermessung festgelegt und den automatischen Direktabruf von Daten aus dem Liegenschaftskataster regelt.

Alle Flurstücke des Vogelsbergkreises werden seit 1995 in einer Grundstücksdatenbank nachgewiesen und laufend aktualisiert. Ein Auszug aus dem Automatisierten Liegenschaftsbuch steht allen Kommunen als "Sekundärkataster" zur Verfügung. Die Gemeindeverwaltungen führen die Sekundärkataster in eigenen Datenbanken. Sie nehmen turnusgemäß an der Aktualisierung des Liegenschaftskatasters durch das Katasteramt teil.

Die Automatisierte Liegenschaftskarte liegt seit 1999 für den gesamten Vogelsbergkreis flächendeckend vor und wird als amtlicher Liegenschaftsnachweis laufend aktualisiert. Sie erfüllt gleichzeitig die zunehmende Nachfrage an raumbezogenen Grafikdaten in digitaler Form.

Die Automatisierte Liegenschaftskarte und das Automatisierte Liegenschaftsbuch eröffnen den direkten Zugang zum aktuellen amtlichen Nachweis der Liegenschaften und bilden somit die optimale Grundlage für geografische Informationssysteme. Die Katasterämter haben daher ihr Dienstleistungsangebot erweitert und unterstützen Städte und beim Aufbau und Nutzung eigener Systeme vor Ort.

Der Beginn des Direktabrufs geht auf das Jahr 1993 zurück. Einzelnen registrierte Stellen, wie Landesbehörden, Amtsgerichte und Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure erhielten die Möglichkeit, über Datenleitungen auf das Automatisierte Liegenschaftsbuchs zuzugreifen.

Die Weiterentwicklung führte zu LIKA-online. Dieses Direktabrufverfahren bietet den Kunden des Katasteramtes den Zugriff auf die Automatisierte Liegenschaftskarte und das Automatisierte Liegenschaftsbuch mit Hilfe der Web-Technologie.

Seit einem Jahr steht diese Zugriffsmöglichkeit bereits allen Notaren, Banken und Sparkassen, Versicherungen sowie Kommunen und weiteren öffentlichen Stellen über das Landesintranet zur Verfügung.

Die Ausweitung auf das Internet mit allgemeinem Zugang und die Ausweitung auf das Katasterzahlenwerk waren weitere Schritte der jüngsten Vergangenheit.

Nicht nur in der Anwendung und Entwicklung der Automation nahmen die Katasterämter stets eine besondere Stellung ein. Auch im Verwaltungsaufbau befanden sie sich häufig in einer Sonderrolle.

Bereits vor 100 Jahren waren die Kreisvermessungsämter - als Vorgänger der Katasterämter - einer Mittelbehörde staatlichen unterstellt, „den Kreisämtern aber beigegeben“.

Nach einer zwischenzeitlichen Verstaatlichung wurden sie 1977 im Zuge der Funktionalreform eine staatliche Hauptabteilung beim Landrat als Behörde der Landesverwaltung.

Vor zwei Jahr führte die LFN-Reform zur Verlagerung der Dorf- und Regionalenwicklung und der Flurneuordnung in den Aufgabenbereich der Landräte. Mit dieser Bündelung verfolgt die Landesregierung das Ziel, Förderprogramme für den ländlichen Raum besser abzustimmen und dabei das Flächenmanagement der Katasterämter effektiver einzusetzen.

Organisatorisch wurden diese Abteilungen der früheren Ämter für Regionalentwicklung, Landwirtschaft und Landentwicklung mit den Katasterämtern in einer Hauptabteilung zusammengefasst.

Der Umfang dieser Zuordnung ist hessenweit allerdings sehr unterschiedlich ausgefallen; so tragen 7 Hauptabteilungen heute den Namen „Regionalentwicklung, Kataster, Flurneuordnung“ und 10 Hauptabteilungen den Namen „Regionalentwicklung, Kataster“. 9 Katasterämter blieben als Hauptabteilung unverändert.

Im Vogelsbergkreis führte die letzte Verwaltungsreform zur „Vollausstattung“ mit den Bereichen Regionalentwicklung, Kataster und Flurneuordnung. Gleichzeitig erweiterte sich der Zuständigkeitsbereich der Flurbereinigungsbehörde in Lauterbach und umfasst nun den Vogelsbergkreis und den Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Die größte Herausforderung ist zur Zeit die Einführung der Neuen Verwaltungssteuerung. Sie hat das Ziel, unternehmerische Managementmethoden in der Staatlichen Verwaltung einzusetzen.

Betriebswirtschaftliche Steuerungstechniken werden das kameralistische Haushaltswesen begleiten und in naher Zukunft ablösen. Mit der Umsetzung hat meine Hauptabteilung Regionalentwicklung, Kataster, Flurneuordnung begonnen. Der Haushalt ist bereits budgetiert, die Produkte und Leistungen sind definiert. Seit Jahresbeginn wird SAP R 3 als betriebswirtschaftliches Buchungsprogramm eingesetzt.

Anrede,

meine Ausführungen haben nur die wesentlichsten Veränderungen in der Entwicklung der Hessischen Katasterämter in den vergangenen 100 Jahren aufzeigen können.

Aber es wird meines Erachtens deutlich, welche außerordentlichen Leistungen notwendig waren und auch weiterhin erforderlich sind, um neben den allgemeinen Tagesaufgaben die erfolgreiche Anpassung an geänderte Zielsetzungen, Qualitätsanforderungen und neue Aufgabengebiete zu gewährleisten.

Nur sachkundige und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in der Lage derartiges zu leisten.

Mit meinen Glückwünschen zum 100jährigen Jubiläum verbinde ich daher meinen Anerkennung an alle Bedienstete der Katasterämter für ihren Einsatz und Lernbereitschaft in diesen Jahren.

Ich erkläre hiermit die Ausstellung " 100 Jahre Katasterämter" für eröffnet!