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Von „Istanbul-Konvention“ bis „Zoff daheim“

06.11.2018 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Der „Runde Tisch Gewaltschutz“ traf sich erstmals unter der Leitung der Kreisbeigeordneten Stephanie Kötschau (Mitte), der Nachfolgerin von Magdalena Pitzer in dieser Funktion. Landrat Manfred Görig (2. v. r.) hatte die Sitzung eröffnet. Thema war u. a. die Istanbul-Konvention, deren Auswirkungen Heike Knauber (3. v. l.) von der Fachstelle Frauen in Not vorstellte. Opferschutzbeauftragte Denise Abersfelder (links) präsentierte die Polizeiaktion „Zoff daheim“. Foto: Gaby Richter

Runder Tisch Gewaltschutz arbeitet interdisziplinär für Opfer von Gewalt

Die Istanbul-Konvention ist ein Übereinkommen des Europarats, zu dem auch die Türkei gehört. Das in Istanbul erarbeitete Regelwerk ist von 46 Staaten unterzeichnet worden und im Februar dieses Jahres auch in Deutschland in Kraft getreten. Der Runde Tisch Gewaltschutz beschäftigte sich jetzt mit der Zielsetzung der Konvention und ihren Auswirkungen. Das Treffen findet einmal jährlich zwischen Fachleuten aus Polizei, Staatsanwaltschaft, diverser Opfer- und Täterberatungsstellen sowie der Kreisverwaltung statt. Dieser institutionenübergreifende Ansatz bei der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen ist im Übrigen ein Punkt der Konvention, der im Vogelsbergkreis schon umgesetzt wird. Darauf wies Heike Knauber von der „Fachstelle Frauen in Not“ hin. Sie gab einen Überblick zur Istanbul-Konvention.

Gesetzgeber, Gerichte, Strafverfolgungsbehörden und Verwaltungen müssen jetzt die Verpflichtungen aus der Istanbul-Konvention umsetzen. Zunächst geht es darum, in allen gesellschaftlichen Bereichen das Bewusstsein für die Gleichstellung von Mann und Frau und ein respektvolles und gewaltfreies Miteinander zu schärfen. Angebote für Frauen, die von Gewalt betroffen sind, sollen „in angemessener geografischer Verteilung, in ausreichender Zahl und leicht zugänglich vorgehalten werden“. Und genau da liegt das Problem: „Es gibt deutliche Lücken, wenn Frauen zum Beispiel vorübergehend außerhalb ihres Wohnumfeldes Schutz brauchen“. Es fehlen aber auch spezielle Hilfen für psychisch erkrankte, suchtmittelabhängige Frauen oder Migrantinnen sowie Therapieplätze für die oftmals traumatisierten Frauen. Besonders schwierig wird es, wenn auch Kinder betroffen sind. „Generell hat das Hilfesystem schon viel zu bieten, es ist aber insgesamt noch nicht bedarfsdeckend und auch in finanzieller Hinsicht noch nicht ausreichend ausgestattet“, lautet das Fazit.

Neu in der interdisziplinären Runde war die Opfer- und Zeugenberatung „Fuldaer Hilfe“, die ihr Angebot vorstellte. Finanziert vom Justizministerium und aus Bußgeldern nehmen sich die Mitarbeiter/innen kostenfrei der Opfern und Zeugen von Straftaten an – unabhängig davon, ob Strafanzeige erstattet wurde. Ihre Arbeit umfasst Information, Beratung und Begleitung zu Gerichtsverhandlungen, bei denen die Betroffenen als Zeugen geladen sind.

Die Opferschutzbeauftragte Denise Abersfelder vom Polizeipräsidium Osthessen machte auf die Polizeiaktion „DreiSatz“ aufmerksam: Hessenweit wurden 2017 rund 8.500 Fälle häuslicher Gewalt verzeichnet, im Zuständigkeitsbereich der Polizei Osthessen knapp 800 Fälle. „Oft sind in zweiter Reihe auch Kinder betroffen, ob direkt oder indirekt, indem sie einen Polizeieinsatz miterleben“, berichtet die Polizeihauptkommissarin. Demnächst kommt das kleine Faltblatt mit dem Namen „Zoff daheim“ für Kinder zum Einsatz, das kindgerecht erklärt, warum die Polizei ins Haus gekommen ist, warum vielleicht gerade ein Elternteil verhaftet und mitgenommen wurde und wie es jetzt weiter gehen kann. „Die Kolleginnen und Kollegen werden darin geschult, Kinder während des Einsatzes anzusprechen und ihnen das kleine Faltblatt an die Hand zu geben.“ Darauf findet sich neben der 110 auch die Nummer gegen Kummer und ein Hilfetelefon.