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Mobilität von und für Jugendliche und junge Erwachsene verbessern

26.04.2018 Von: Traudi Schlitt

Intensiv gearbeitet wurde von den Schülerinnen und Schülern gemeinsam mit den Projektverantwortlichen in den Workshops. Fotos: Traudi Schlitt

Alexander-von-Humboldt-Schule nimmt am Kreisprojekt MoDaVo teil und liefert wichtige Impulse

Er ist groß, der Vogelsberg, und er ist nicht besonders dicht besiedelt. Er hat zwei Mittelzentren, 19 Kommunen insgesamt, und darin viele kleine Dörfer. Besonders dort sind die Menschen auf eigene Autos angewiesen. Der Öffentliche Nahverkehr kann längst nicht alle Mobilitätsbedürfnisse stillen. Besonders für Jugendliche, die noch keinen Führerschein oder eigenes Auto haben, ist die Lage schwierig: Ohne den bereitwilligen Einsatz von Elterntaxis kommen sie kaum von A nach B, schon gar nicht abends oder am Wochenende. Die Lösung des Mobilitätsproblems ist eine große Aufgabe, der sich der Vogelsbergkreis nun angenommen hat.

Als eine von 18 Modellregionen des bundesweiten Vorhabens „Langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität in ländlichen Räumen“ zeigt sich der Kreis engagiert und zielstrebig aktiv beim Erhalt von Infrastruktureinrichtungen sowie der Sicherstellung der Mobilität, besonders für Jugendliche (Auszubildende), ältere und / oder in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen, aber eben auch für Familien mit Kindern. Der Kreis ist hier unter der Leitung von Dr. Jens Mischak federführend beteiligt, Projektleiter ist Dr. Florian Warburg vom Amt für Wirtschaft und dem ländlichen Raum. Von der VGO (Verkehrsgesellschaft Oberhessen) sind Sven Theiß und Gerhard Muth-Born in den Prozess involviert, externe Berater stehen von KCW Berlin zur Verfügung, einem Unternehmen, das Ideen für zukunftsfähigen öffentlichen Personennahverkehr im ländlichen Raum entwickelt, sowie von der Firma Gertz Gutsche Rümenapp Stadtentwicklung und Mobilität GbR aus Hamburg.

Ein Schwerpunkt des Projektes MoDaVo (Mobilität im Vogelsberg und Daseinsvorsorge) liegt auf den Bedürfnissen von Jugendlichen, Schülern und Auszubildenden. Wie gestalten sie ihre Mobilität? Wie hätten sie sie gerne und wo liegen aktuell die Probleme? Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen kennen die Antworten auf diese Frage am besten, infolgedessen sind exemplarisch auch Schülerinnen und Schüler sowohl der Lauterbacher Alexander-von-Humboldt-Schule als auch der Alsfelder Max-Eyth-Schule vertreten. Koordinator an dem Lauterbacher Gymnasium ist Oliver Stoy. Er erläutert die Besetzung des AvH-Gremiums: „Hier sind aus jeder Jahrgangsstufe zwei Schülerinnen oder Schüler vertreten. Vorzugsweise Kinder und Jugendliche, die nicht aus den Mittelzentren kommen, sondern genau wissen, wovon sie sprechen, wenn es heißt, dass man nachmittags ab drei nicht mehr wegkommt und abends nach fünf nicht mehr zurück – zumindest nicht mit dem ÖPNV.“

Um möglichst gute Informationen zu bekommen, haben die Schülerinnen und Schüler einen Fragebogen mitentwickelt, der unter hoher Beteiligung der Schülerschaft ausgefüllt wurde. „Wir haben mit Durchsagen mehrfach auf die Bedeutung dieser Umfrage hingewiesen, auch die Schulleitung unterstützt das Projekt intensiv“, führt Stoy weiter aus. „Für uns als Schule geht es natürlich darum, Maßnahmen zu entwickeln, die die Logistik vom Elternhaus in die Schule und zurück erleichtern, wobei die Förderung der Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler ein wichtiger Schwerpunkt ist“, so ein Fazit. Dies könnten laut Vorschlägen aus der Schulgemeinde gut ausgestattete Warteräume sein, Rückzugsräume oder Schließfächer.

Darüber hinaus könnten die Verkehrsbetriebe ihre Disposition den Stoßzeiten, d. h. den Anfangs- und Endzeiten des Unterrichts, anpassen, denn auch übervolle Schulbusse sind immer wieder Thema. Besonderes Augenmerk liegt bei den Betrachtungen auf den Aktivitäten außerhalb der Schulzeiten. Hier wurde festgestellt, dass besonders in der Freizeit das Elterntaxi das meistgenutzte Verkehrsmittel ist. Im Rahmen des Projekts fanden bisher verschiedene Informationsveranstaltungen und Workshops statt, an denen auch die Schülerinnen und Schüler aktiv teilnahmen. Themen waren hier unter anderem die Präsentation von Kooperationsräumen im ländlichen Raum sowie ganz konkret die Vorstellung des Fairfahrt-Projektes, das in Romrod bereits gestartet ist.

Auf großes Interesse stieß auch die Idee einer Mitfahr-App, die vor kurzem von einem Expertenteam an der AvH vorgestellt wurde und die eng mit dem Fairfahrt-Konzept verknüpft ist. Hier hat der Vogelsbergkreis das Unternehmen Netfair Solutions beauftragt, spontane Mitfahrgelegenheiten mithilfe einer APP zu organisieren. Die Schülerinnen und Schüler beteiligten sich hier lebhaft an einer Diskussion rund um Ausführung, Vor- und Nachteile sowie Datenschutz. Die zu entwickelnde App soll schnell und leicht darüber Auskunft geben, wer wann wohin fährt und evtl. noch einen Platz frei hat. „Sie sollte natürlich auch über die Schulwege hinaus zum Einsatz kommen“, blickt Stoy in die Zukunft, „es könnten Fahrten zu allen möglichen Anlässen auf diese Weise koordiniert werden.“ Anforderungsprofile der Schule nehmen die Entwickler der App bereits seit geraumer Zeit entgegen, und schon im Mai soll ein Prototyp vorgestellt werden.

Darüber hinaus wollen Oliver Stoy und Sebastian Recklies an der Alexander-von-Humboldt-Schule einen Projekttag zum Thema Mobilität im Zusammenhang mit Berufs- und Studienorientierung als Pilotprojekt durchführen. Auch ein Unterrichtsmodul für die Sekundarstufe I ist angedacht. Im Mai wird darüber hinaus ein Workshop zum Thema „Elterntaxi“ und Schülermobilität mit Eltern und Projektverantwortlichen an der AvH-Lauterbach stattfinden. Mit der Ausdehnung des Projektes auf die Bedürfnisse junger Menschen tragen die Verantwortlichen dem Gedanken der Zukunftsfähigkeit in vielerlei Hinsicht Rechnung. Ein weiterer deutlicher Pluspunkt, den dieses Vorhaben dem Vogelsberg bringt.

Die Vorstellung der Mitfahr-App von Schritt Null bis kurz vor Vollendung.