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"Ermutigung ist beste Prävention im Kampf gegen sexuelle Gewalt"

04.09.2001 Von: Pressestelle Kreisverwaltung Vogelsberg

Kinder besser schützen: Kreisbeigeordnete Sylke

Emmermann will öffentliches Bewusstsein schärfen

 

VOGELSBERGKREIS ( ). "Es reicht nicht, über die schlimmen

Verbrechen der jüngsten Zeit nur entsetzt zu sein. Der Kampf gegen

sexuelle Gewalt an Kindern braucht eine doppelte Strategie: Das Thema

öffentlich machen nach außen und sensibel mit Betroffenen und

Gefährdeten nach innen umgehen." Dies sagte die

Gleichstellungsbeauftragte des Kreisausschusses, Sylke Emmermann, in

einem Gespräch mit Vertreterinnen des neu gegründeten Vereins

"Zartbitter", der gegen sexuelle Gewalt aktiv ist und für die Gründung

einer Präventions- und Beratungsstelle auf Kreisebene eintritt.

 

Auf Einladung von Kreisbeigeordneter Emmermann berichteten

Vereinsvorsitzende Heike Ludwig und ihre Vorstandskollegin Franziska

Diesmann der Kreispolitikerin von den Zielen des Vereins, der aus dem

seit Jahren bestehenden "Arbeitskreis gegen sexuellen Missbrauch"

hervorgegangen ist. Es bestand Einigkeit in dem Gespräch, dass

"Ermutigung die beste Vorbeugung für Kinder und Jugendliche ist, um sich

vor sexuellem Missbrauch zu schützen", so Sylke Emmermann in dem

Gespräch.

 

Deshalb veranstaltet die Gleichstellungsbeauftragte gemeinsam mit dem

Verein in Kürze eine Theateraufführung, mit der Grundschulkinder auf das

Thema in behutsamer Weise aufmerksam gemacht werden sollen. Mit diesem

pädagogisch durchdachten Theaterprojekt "kommt man sehr nah an die

Kinder heran, und gleichzeitig wird das Thema wieder ein Stück mehr aus

der Tabuzone geholt", so Emmermann. Die Kreisbeigeordnete betonte in der

Unterredung im Lauterbacher Landratsamt die Notwendigkeit, die

Erfahrungen des Vereins mit der im Amt für Jugend, Familie und Sport

angesiedelten personellen Fachkompetenz effizient zu vernetzen. Das

Jugendamt leiste äußerst wertvolle Arbeit im Bereich der Prävention,

aber auch in der Betreuung betroffener Kinder und Jugendlicher, lobte

Emmermann die behutsame und schützende Arbeit der Fachkraft im

Jugendamt. Die empirischen Ergebnisse der Jugendhilfeplanung hätten hier

deutlichen Handlungsbedarf gezeigt, zumal die bekannt werdenden Fälle

sexueller Verbrechen an Kindern nur die "Spitze des Eisbergs" seien, so

Emmermann.

 

Heike Ludwig vom Verein Zartbitter erläuterte die Konzeption für eine

angedachte Präventions- und Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt. Die

jüngsten Verbrechen erzeugten bei Eltern und Kindern oft Angst, doch

Angst sei gerade kein guter Ratgeber. Kinder und Eltern brauchten

sachliche und informative Ratschläge und das Kind Hilfen beim Aufbau

eines gesunden Selbstbewusstseins. Der Verein möchte sowohl Beratung von

Betroffenen als auch Prävention leisten. In der Krisensituation eines

sexuellen Übergriffs brauche ein Kind unbedingt Stärkung und Vertrauen.

Bei der Vorbeugungsarbeit gehe es um die Schulung der

Wahrnehmungsfähigkeit, besonders bei den Themen Macht, Vertrauen und

Verantwortung. Bei der Kooperation wünscht sich der Verein den Aufbau

eines Hilfesystems, ähnlich wie beim Gemeinschaftsprojekt SMOG. Hierzu

gehörten dann die Beratungsstelle, das Jugendamt, die Polizei, die

Staatsanwaltschaft und andere Fachleute. Der Verein wendet sich mit

seinem Angebot an Betroffene, Gefährdete aber auch an Eltern, Lehrer,

Jugendgruppen und soziale Fachkräfte. Der Verein möchte direkt in

Kindergärten und Schulen aktiv werden. Bürgerinnen und Bürger, die sich

für die Arbeit des neuen Vereins interessieren, treffen sich jeden

vierten Mittwoch im Monat in den Räumlichkeiten des Diakonischen Werks

in der Schlitzer Straße 2, Lauterbach.

 

Die Kreisbeigeordnete hatte sich kürzlich - auch in diesem Zusammenhang

- bereits eingehend mit dem Anti-Gewalt-Experten der Vogelsberger

Polizei, Hasso Hofmann, ausgetauscht. Von besonderem Interesse erscheint

Sylke Emmermann hier das landesweit als sehr erfolgreich geltende

Projekt "Schule machen ohne Gewalt" (SMOG).

 

Sylke Emmermann kündigte in dem Gespräch an, sie werde die "sehr

aufschlussreichen Gespräche am Frauen-Service-Telefon" (die

Donnerstag-Termine werden immer vorher rechtzeitig bekannt gegeben)

fortsetzen. Dies gelte auch für Besuche von Einrichtungen im

Kreisgebiet, wie zum Beispiel das Frauenhaus. Sie habe viele neue

Einblicke gewonnen. "Förderung und Begleitung von Frauen in Not ist mir

wichtig - als Hilfe zur Selbsthilfe", so die Gleichstellungsbeauftragte

wörtlich.