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Zweite Biodiversitätskonferenz in Ulrichstein – Von Sumpf-Fetthenne, Rhön-Quellschnecke und Blühstreifen

07.06.2018 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Beim Rundgang durch den Vogelsberggarten. Fotos: Gaby Richter

Artenvielfalt erhalten – eine Aufgabe für viele Mitstreiter

„Bei uns im Vogelsberg ist die Artenvielfalt überdurchschnittlich hoch, hier leben 225 Arten, die auf der Roten Liste stehen und 49 Verantwortungsarten, die vom Aussterben bedroht sind.“ Diese zunächst einmal positiven Fakten präsentierte Gudrun Huber von der Unteren Naturschutzbehörde zu Beginn der zweiten Biodiversitätskonferenz, die am Tag der Umwelt in Ulrichstein stattfand. Und ergänzte dann: „Das heißt für uns, dass wir ganz besonders viel tun müssen für den Erhalt dieser Arten – dafür brauchen wir Partner die Mitmachen.“ Solche Partner gibt es schon: Beispielsweise den Vogelsberggarten in Ulrichstein, zahlreiche Landwirte, Forstämter oder auch das Naturschutzgroßprojekt. Aber es dürfen gerne mehr werden, das Förderprogramm sei eines der besten und unkompliziertesten seit Jahren, verspricht die Fachfrau, und ruft zum Mitmachen auf.

Unter dem Motto "Die biologische Vielfalt lebt vom Mitmachen" hatte die Untere Naturschutzbehörde des Vogelsbergkreises im Mai 2016 eine erste Kreiskonferenz zur Biodiversität durchgeführt mit dem Ziel, den Verlust an biologischer Vielfalt aufzuhalten. Seitdem konnten schon einige Maßnahmen umgesetzt werden, so zum Beispiel die Vermehrung und Wiederansiedlung der Sumpf-Fetthenne (Sedum villosum), einer sogenannten „Verantwortungsart“, wie Frau Huber erläuterte. Dieses Pflänzchen ist vom Aussterben bedroht und kommt in freier Natur im Landkreis nur auf einer kleinen Fläche in Alsfeld vor. In Zusammenarbeit mit dem Botanischen Garten Frankfurt konnte es vermehrt und auf feuchten Wiesen wieder erfolgreich angesiedelt werden. Auch im Vogelsberggarten wurde es vermehrt und wächst dort auf rund zwei Quadratmetern dicht an dicht – „Wir haben damit den Bestand sicher schon um 200 Prozent erhöht“, so Huber.

Bei einer zweistündigen Führung durch den Vogelsberggarten konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur die Sumpf-Fetthenne ansehen. Ernst Happel, der Vater des Vogelsberggartens, und Richard Golle, aktueller Geschäftsführer, zeigten weitere Erfolge wie Hochbeete zur Aufzucht seltener Pflanzen und Kräuter oder eine umzäunte Baumschule. Aktuell geplant sind Arbeiten an der „Glatthafer-Wiese“ und die Anlage einer Pflanzenterrasse mit herrlichem Ausblick auf typische Kulturlandschaft. Der Vogelsberggarten sei ein Aushängeschild für die ganze Region, sagte Bürgermeister Edwin Schneider bei der Begrüßung der Konferenzteilnehmer. Und Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak dankte allen Engagierten, die für den Vogelsberggarten und den Naturschutz aktiv sind.

Für die einzigartige Rhöner Quellschnecke, die weltweit ausschließlich in Rhön und Vogelsberg vorkommt, wurden im Oberwald Rohre und Einfassungen von Quellbereichen zurückgebaut, um diesen Lebensraum wieder aufzuwerten. Ein besonders gelungenes Projekt war das in der Gemarkung Kaulstoß, am „Sauborn“. Weitere Beispiele, die mit Biodiversitätsmitteln gefördert werden konnten, waren die Renaturierung der ehemaligen Sandkaute in Schwarz, des ehemaligen Steinbruchs "Sängersberg" bei Schlitz oder das zum Vogel-, Fledermaus- und Insektenhochhaus umgebaute Trafohäuschen in Antrifttal.

Dass sich auch im Bereich Landwirtschaftlicher Flächen einiges tut, kann inzwischen jeder sehen, der dieser Tage durch die Landschaft fährt: Immer öfter kann man wunderschöne bunte Blühstreifen an Feldrändern sehen. Dazu konnte Marion Schindler vom Amt für Wirtschaft und den ländlichen Raum einige Zahlen liefern. Über das Agrarumweltprogramm des Landes wurden knapp 26 Hektar einjährige und 83 Hektar mehrjährige Blühstreifen gefördert, weitere 169 Hektar wurden durch Direktzahlungen unterstützt. Weitere 90 Hektar seien durch die Aktion "Bienenfreundliches Hessen" des Hessischen Bauernverbandes mit Hilfe von Imkervereinen, Obst- und Gartenbauvereinen, Naturschutzverbänden und anderen entstanden. Und für weitere 6 Hektar Blühflächen stellte das Regierungspräsidium Mittel zur Verfügung.

Der Projektleiter des Naturschutzgroßprojektes, Ruben Max Garchow, stellte Biodiversitätsmaßnahmen im Offenland mit Bergmähwiesen, Borstgrasrasen sowie in wassergebundenen Lebensräumen wie Quellregionen und Mooren vor. Als besonders gelungen präsentierte er die Renaturierung des Hochmoores Breungeshainer Heide, eines von nur zwei Hochmooren in Hessen. Und weil die Lupine in die Bergmähwiesen einwandert – was sie nicht soll – wird sogar echte Handarbeit nötig: Rund 16 Hektar konnten durch Ausstechen von Hand inzwischen von ihr befreit werden. Auch in einem weiteren Zusammenhang ist Handarbeit angesagt: Damit wenig artenreiche Wiesen aufgewertet werden können, wird Saatgut von bunten und vielfältigen Wiesen gewonnen, um es dort wieder auszusäen. Weil aber keine Maschine imstande ist, den Wiesendrusch ordentlich auszusäen, wird auch das von Hand erledigt.

Wer Ideen hat und finanzielle Unterstützung für ein Projekt benötigt, darf sich gerne an die Untere Naturschutzbehörde des Vogelsbergkreises wenden: Telefon 06641 977-261, unb(at)vogelsbergkreis.de.

Hier stehen demnächst Arbeiten an, an der Glatthafer-Wiese.

Ernst Happel und Richard Golle...

...hier noch einmal (Foto: Susanne Jost)

Die umzäunte Baumschule, in der seltene Arten wieder aufwachsen sollen.

Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak dankte allen Engagierten.

Bürgermeister Edwin Schneider begrüßt die Konferenzteilnehmer.

Gudrun Huber von der Unteren Naturschutzbehörde zeigt die vom Aussterben bedrohte Sumpf-Fetthenne.

Ruben Max Garchow vom Naturschutzgroßprojekt: Das Hochmoor Breungeshainer Heide vor der Renaturierung…

…und nachher

Ein kleines Pflänzchen, diese Sumpf-Fetthenne oder auch Sedum villosum - sie ist eine der sogenannten Verantwortungspflanzen hier im Vogelsberg.