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ZUKUNFT IM VOGELSBERG Gut versorgt und mobil?

06.06.2018 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion (v. l.): Jonathan Waschkewitz (Projekte Faifahrt und Fairschult), Dr. M. Glatthaar (proloco), Dr. Bernd Rittmeier (BMVI), Thomas Möller (Max-Eyth-Schule Alsfeld), Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak, Romrods Bürgermeisterin Birgit Richtberg und Armin Klein (Verkehrsgesellschaft Oberhessen vgo). Fotos: Gaby Richter

Abschlussveranstaltung im MoDaVo-Projekt - Langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität im Vogelsbergkreis

Die zentralen Themen der Abschlussveranstaltung im Projekt „MoDaVo“ waren die Frage nach der zukünftigen Organisation von Versorgung und Infrastruktur im Landkreis und die Frage nach deren Erreichbarkeit: Wie gut ist der Öffentliche Nahverkehr und wie lassen sich Lücken schließen? MoDaVo ist ein Modellvorhaben des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur, das sich seit zwei Jahren mit der langfristigen Sicherung von Versorgung und Mobilität im Vogelsbergkreis befasst.

Ausgehend vom demografischen Wandel und dessen absehbaren Folgen – höheres Durchschnittsalter, sinkende Einwohnerzahlen und damit auch weniger Steuereinnahmen – stellt sich die Frage, wie zukünftig die Versorgungsstrukturen erhalten werden können. Gibt es dann noch einen Laden, eine Apotheke und einen Arzt in erreichbarer Entfernung? Und wie sind die Angebote zu erreichen?

Fragen, die Herausforderung und Chance zugleich sind, wie Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak sagt. Schon seit mehr als zehn Jahren befasse man sich in mehreren Bereichen mit dem demografischen Wandel und der Daseinsvorsorge, beispielsweise auch im Gesundheitsamt mit der hausärztlichen Versorgung. „Es gibt Herausforderungen in einem Flächenlandkreis wie unserem“, so Mischak, „wir müssen jetzt unsere Ressourcen bündeln, um gemeinsam etwas zu bewirken.“

Kleine Erfolge sind auch schon zu verbuchen, zum Beispiel in Wartenberg: Nachdem der Laden in Landenhausen geschlossen und damit keine Einkaufsmöglichkeit mehr vorhanden war, haben engagierte Bürgerinnen und Bürger die Idee eines Wochenmarktes entwickelt. Dieser findet inzwischen auch einmal in der Woche statt und soll noch weiter ergänzt werden. Weitere Beispiele aus Schwalmtal und Wallenrod zur Nahversorgung – sprich: Dorfladen – sind gerade im Entstehen.

Grundlage allen Handelns ist „ein Datenschatz, der vieles möglich macht und gut gepflegt werden will“, unterstrich Dr. Bernd Rittmeier vom Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur. Auch diese Daten seien ein wichtiges Ergebnis des Projekts. Welche Daten erhoben wurden und womit konkret gearbeitet werden könnte, erklärten Martin Albrecht und Dr. Axel Stein vom Planungsbüro Proloco aus Bremen. Sie haben nachgeschaut wo es welche Versorgungseinrichtungen wie Laden, Supermarkt oder Apotheke gibt und wie die Menschen dort hinkommen – alles festgehalten in Übersichtskarten, in denen sogenannte „Versorgungszentren“ und „Versorgungskerne“ zu sehen sind. Jetzt gehe es darum, Versorgungszentren zu stärken und Teilräume ohne Versorgungsfunktionen gut an die Zentren anzubinden – dabei gilt die Devise „Lieber beim Nachbarn als gar nicht mehr“, so Martin Albrecht. Es könne nicht mehr jeder alles im eigenen Ort haben.

Um die Erreichbarkeit von Supermarkt, Arzt oder Apotheke in den Versorgungszentren ging es im zweiten Schwerpunkt des Projekts. Ein vielleicht unvermutetes Ergebnis: Der ÖPNV im Kreis ist besser als gedacht. Die Vogelsbergbahn fährt im Stundentakt, ein Großteil der Busse auch, dazu gibt es noch den Vulkan-Express am Wochenende und die Ergänzung durch Anruf-Linien-Taxis (ALT). Allerdings sei die Nutzung der ALT einfach zu wenig bekannt und werde entsprechend selten genutzt, so Dr. Axel Stein. Und um das zu verbessern, wurde ein kleines Video produziert, in dem gezeigt wird, wie ein junger Mann vom Bahnhof in Fulda nach Alsfeld kommt, dort mit dem ALT weiterfährt und schließlich mit dem Vulkan-Express auf dem Hoherodskopf landet.

Auch die Einrichtung von Schnellbussen werde diskutiert, besonders die Linie 395 von Alsfeld nach Treysa haben die Planer und die Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO) dabei im Blick. Es sei eine Planung über die Verbundgrenzen hinweg, erklärte Armin Klein, Geschäftsführer der VGO, so dass es dazu noch Finanzierungsfragen zwischen der VGO und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) zu klären gelte. Der Max-Eyth-Schule käme eine solche Linie zugute, denn aus dem Schwälmer Raum pendeln viele Schülerinnen und Schüler nach Alsfeld.

Für Schüler gibt es übrigens demnächst die App „Fairschult“, mit der sich Mitfahrgelegenheiten organisieren lassen. Bei der Datenerhebung war nämlich herausgekommen, dass neben Bus und Bahn vorwiegend das „Elterntaxi“ genutzt wird. Und um solche Fahrten besser auszulasten und andere Fahrten zu vermeiden, soll die Mitfahr-App ausprobiert werden. Diese Idee fußt auf der "Fairfahrt"-Initiative in Romrod, wo über eine App Mitfahrgelegenheiten zwischen REWE-Markt und den Stadtteilen organisiert werden.

„Lieber beim Nachbarn als gar nicht mehr“, so Martin Albrecht. Es könne nicht mehr jeder alles im eigenen Ort haben.

Die erhobenen Daten sind wichtig fürs weitere Planen und Handeln.

Gespräche vor den Plakaten zur Mitfahr-App "Fairschult"