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Fragen und Antworten: Landrat Görig besucht die erste Ipad-Klasse im Kreis an der Geschwister-Scholl-Schule

30.01.2018 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Da meldet sich auch der Landrat: Manfred Görig hat sichtlich Spaß beim Besuch der ersten Ipad-Klasse im Kreis an der Alsfelder Geschwister-Scholl-Schule. Foto: Sabine Galle-Schäfer/Vogelsbergkreis

Ein Blick in die Zukunft

Alsfeld. Ein Klassenraum ohne grüne Tafel, ohne Kreide, ohne Hefte und Bücher auf den Tischen. Stattdessen hat jeder nur ein Tablet vor sich. Darauf wird geschrieben, darauf wird gerechnet, darauf werden sogar die Hausaufgaben gemacht – abgespeichert in einem sauber geführten digitalen Heft. Undenkbar? Zukunftsvision? Nein, Realität. Und zwar an der Alsfelder Geschwister-Scholl-Schule. Dort ist im Sommer eine Ipad-Klasse eingerichtet worden. Und Landrat Manfred Görig staunt bei seinem Besuch in der Schule nicht schlecht, als ihm die Jugendlichen demonstrieren, wie der Unterricht der Zukunft aussieht. Was es genau mit dieser Ipad-Klasse auf sich hat – das ist in den folgenden Fragen und Antworten zusammengestellt.

Ist so eine Ipad-Klasse eigentlich besonders oder gibt es solche Klassen schon häufiger?

Eine solche Klasse ist die absolute Ausnahme. Der Vogelsberg war hessenweit mal wieder Vorreiter, als an der Geschwister-Scholl-Schule in Alsfeld im Sommer die erste Ipad-Klasse im Kreis eingerichtet. Die Mädchen und Jungen aus einer siebten Realschul-Klasse sind die ersten, die komplett auf Tablets umgestellt haben. Das Projekt läuft vier Jahre bis zur mittleren Reife. Anne Christ, Rolf-Dieter Aff und Marco Allendorf hatten eine entsprechende Lehrer-Fortbildung besucht und waren begeistert über die Anwendungsmöglichkeiten von Ipads im Unterricht. In der sechsten Jahrgangsstufe wurde das Projekt vor einem guten Jahr vorgestellt, mehr als 30 Eltern waren dabei von der Idee begeistert. Die erste Ipad-Klasse konnte somit nach den Sommerferien an den Start gehen.

Was hat der Vogelsbergkreis damit zu tun?

Nun, der Vogelsbergkreis ist der Schulträger. Er begleitet das Projekt technisch durch das Amt für Schulen und Liegenschaften. Deshalb sind auch Berthold Habermehl und Volker Schwenzfeier beim Besuch des Landrates mit von der Partie.

Seit einem halben Jahr wird Tag für Tag mit den Ipads gearbeitet. Wie sieht der Unterricht aus? Wie hat sich Schule verändert?

Auf den Ipads wird im Grunde alles gemacht – und noch ein bisschen mehr. Da werden herkömmliche Gleichungen in Mathe gelöst, da werden E-Books gelesen, da werden Präsentationen gezeigt oder Video-Filme vorgeführt. Sogar eine Klassenarbeit wurde schon auf dem Tablet geschrieben.

Praktische Beispiele gefällig? Lehrer Jörg Kuhn hat im Urlaub in Thailand ein Foto in einem Handy-Laden gemacht. 26.900 Thai Baht kostet dort das neueste Mobiltelefon. Per Screenshot bekommen alle Schüler das Foto nun auf ihr Tablet, recherchieren im Internet den Umrechnungskurs, um den Preis in Euro zu ermitteln. Mit der Classroom-App kann Kuhn auf jeden Arbeitsplatz zugreifen, er wählt Aurelia aus. Ihr Rechenweg wird nun am großen Activ-Board, das die alte grüne Tafel ersetzt, dargestellt. „Ich kann auf alle Bildschirme gehen – wie früher im Sprachlabor“, erklärt Kuhn – Aurelia rechnet derweil unbeeindruckt weiter und präsentiert die richtige Lösung: 690 Euro.

Oder: Auch kurze Video-Filme – etwa vom Klassenausflug nach Frankfurt – haben die Jugendlichen erstellt und führen sie nun den Gästen vor. Eine überaus gelungene Präsentation aus dem PoWi-Unterricht bietet ganz viele Informationen rund um die Bundestagswahl. Und schließlich wird noch ein Animationsfilm gezeigt, in dem es um den Unterschied zwischen Sagen und Märchen geht.

Der Unterricht hat sich dank des Einzugs modernster Technik verändert. Die Schüler auch?

Ja, in der Tat, das haben sie – und zwar zum Positiven! Schulleiterin Helga Stock und ihre Kolleginnen und Kollegen, die in der Ipad-Klasse unterrichten, sind jedenfalls voll des Lobes. Die Präsentation zur Bundestagswahl  zum Beispiel ist richtig, richtig gut geworden.  „Für eine 7R ist das erstaunlich“, unterstreicht Konrektorin Anne Christ, „ich würde behaupten, die sind besser als eine 10.“ Großes Lob aus dem Mund der Deutschlehrerin gibt es auch für den Märchen-Animationsfilm. „Hätte ich das als schriftliche Hausaufgabe gestellt, hätte die Hälfte das gar nicht gemacht, die andere Hälfte hätte einen Drei-Zeiler abgegeben.“ Dank des Films aber haben sich die Mädchen und Jungen ganz intensiv mit dem Thema beschäftigt. „Sie lernen mit allen Sinnen, sie erfassen die Thematik auf allen Ebenen“, sind sich die Pädagogen sicher und loben vor allem auch die Motivation der Mädchen und Jungen. Und noch eine Beobachtung haben die Lehrerinnen und Lehrer gemacht: „Der Zusammenhalt in der Klasse ist unglaublich gut. Sie haben ein Top-Sozialverhalten!“

Welche Vorteile werden noch gesehen?

Ganz praktische. Für Referate zum Beispiel müssen nicht mehr länger irgendwelche Plakate mit Kleber und Schere gestaltet werden, das geht alles ganz flott auf dem Mini-Computer, da werden komplette Präsentationen ausgearbeitet. Die Schüler können zudem ihre Hefte und einen Teil der Bücher zu Hause lassen, da ist endlich der Schulranzen nicht mehr so schwer. Auch das lästige Kopieren und Verteilen von Arbeitsblättern fällt weg. Infos gibt es direkt auf den Bildschirm.

Schon wird laut darüber nachgedacht, ob Bücher nicht überflüssig sind, ob sie nicht durch E-Books ersetzt werden könnten. „Wenn wir als erster Landkreis die Schulbücher abschaffen würden, wäre das Weltklasse“, schmunzelt Berthold Habermehl  augenzwinkernd. Doch: So abwegig wird das in ein paar Jahren gar nicht mehr sein. Das kann sich auch Landrat Manfred Görig durchaus vorstellen. Denn: Er sieht die Alsfelder Realschule mit ihrem Pilotprojekt auf dem „richtigen Weg“. „Es ist zeitgemäß, was wir hier machen. Die Digitalisierung schreitet immer schneller voran, wir müssen aufpassen, dass wir nicht abgehängt werden“, mahnt der Landrat und verspricht, dass der Kreis die Einführung solcher Ipad-Klassen auch weiterhin begleiten wird. Er kann sich vorstellen, dass in ein paar Jahren die Tablets in der siebten Klasse flächendeckend eingesetzt werden.

Haben auch andere Schulen Interesse, eine solche Ipad-Klasse einzuführen?

Also, an der Geschwister-Scholl-Schule soll im neuen Schuljahr die nächste Klasse an den Start gehen. Und auch zwei weitere Schulen aus dem Kreis haben schon signalisiert, dass eine Klasse mit Tablets ausgestattet werden soll.