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Renaturierungsarbeiten an der Quelle „Sauborn“

19.06.2017 Von: Stefan Weil

Die Vertreter der an der Quellenuntersuchung beteiligten Institutionen informierten sich über den Abschluss der Renaturierungsarbeiten an der Quelle "Sauborn". Foto: Stefan Weil

SCHOTTEN - (sw). Der 22. Mai wird alljährlich als internationaler Tag der biologischen Vielfalt gefeiert. Der Tag erinnert an den 22. Mai des Jahres 1992, an dem in Nairobi der Text des UN-Übereinkommens über biologische Vielfalt verabschiedet wurde. Das Übereinkommen wurde im Juni des gleichen Jahres auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro zur Zeichnung ausgelegt.

In diesem Jahr lautet das Schwerpunktthema „Gesund - Mit der Vielfalt der Natur“. Ein Teilbereich ist den Naturressourcen gewidmet. In diesen thematischen Zusammenhang passen Untersuchungen von Quellen im Vogelsberg, die von Mitgliedern des hessischen Landesverbandes der Höhen- und Karstforschung vorgenommen wurde. Ziel war das Vorkommen von Quellen zu erfassen und ihre Qualität zu bestimmen. Die Untersuchungen - zwei Berichte liegen inzwischen vor - sollen Hinweise auf etwaige Gefährdungen und Anstoß für entsprechende Schutzmaßnahmen geben.

Mit Unterstützung des Schottener Forstamtes konnten bereits erste Renaturierungsmaßnahmen vorgenommen werden als Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt, wie Stefan Zaenker, der Vorsitzende der hessischen Höhen- und Karstforscher, sagte. Anlass war die Vorstellung der abgeschlossenen Renaturierungsmaßnahme an der Quelle „Sauborn“, direkt an dem Wanderparkplatz gleichen Namens an der Landstraße zwischen den Schottener Stadtteilen Breungeshain und Sichenhausen.

Wie Zaenker erläuterte, wurde die frühere Betoneinfassung der Quelle einschließlich eines eisernen Rohres vorsichtig mit einem Bagger beseitigt. Die Quelle ist jetzt in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Das Wasser sickert aus dem Boden, sucht sich in einem kleinen Graben hangabwärts seinen Lauf und fließt später in den Hillersbach.

Insgesamt wurden 2016 im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Vogelsbergkreises und des Naturschutzgroßprojektes Vogelsberg 179 Quellen im gesamten Gebiet des unteren und Hohen Vogelsberges erfasst. Dabei wurden nicht nur die Wasserwerte erfasst, sondern auch die Tierwelt intensiv untersucht.

„Wir haben bei der Kartierung eine große Zahl von Quellen festgestellt. Nur ganz wenige sind auf den offiziellen Karten verzeichnete“, betonte Zaenker. Der Vogelsberger Erste Kreisbeigeordnete Dr. Jens Mischak freute sich über den Wasserreichtum des Vogelsberges, mahnte aber gleichzeitig, die Quellen zu schützen. Sehr zielführend sei daher die Zusammenarbeit der Untern und Oberen Naturschutzbehörde, des Forstamtes, des Naturschutzgroßprojektes, des Natur- sowie des Geoparks Vulkanregion Vogelsberg.

Der beim Gießener Regierungspräsidiums für Biodiversität zuständige Referatsleiter Gerhard Schulze-Velmede unterstrich die Bedeutung des Projektes. „Wichtig ist auch, die Öffentlichkeit darüber zu informieren“, so der RP-Vertreter mit Hinweis auf eine Informationstafel, die unmittelbar an der Quelle errichtet wurde. Forstamtsleiter Dr. Berndt Ott wies auf die Notwendigkeit der Holzwirtschaft hin. Dabei werde so naturschonend wie möglich gearbeitet. UNB-Vertreterin Angela Metzner bedauerte, dass der empfindliche Lebensraum vieler Quellen durch Trainagemaßnahmen besonders auf landwirtschaftlich genutzten Flächen gefährdet sei.

Wie Stefan Zaenker erläuterte, handelt es sich bei Quellen meist um sehr kleine Biotope. Als Grenzlebensraum zwischen Grundwasser aus dem Erdinnern und dem Oberflächenwasser komme ihnen eine große Bedeutung für hoch spezialisierte Tier- und Pfanzenarten zu. Zu den Bewohnern der unberührten Quellen im Vogelsberg gehören seltene Arten wie die Rhön-Quellschnecke und der Alpenstrudelwurm. Die Wasserschnecke ist lediglich zwei Millimeter groß und kommt ansonsten weltweit nur noch in der Rhön vor. Der Alpenstrudelwurm gilt als ein Relikt der Eiszeit. Sein Vorkommen ist ein Anzeichen für eine gute Wasserqualität.

Neben Betoneinfassungen wirkt sich die Versauerung in Nadelholzbeständen und Schadstoffeinträge aus der Landwirtschaft schädlich auf die Quellen mit ihren Lebensräumen aus. Im Bereich des „Sauborns“ wurden daher auch einige große Fichten entfernt. Insgesamt hat das Schottener Forstamt mittlerweile vier Quellen renaturiert und dabei Fördermittel aus der „Hessischen Biodiversitätsstrategie“ des Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Anspruch genommen.