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PRESSEKONFERENZ - Landrat Görig zur Rettungsmittelversorgung im Vogelsbergkreis

27.04.2017 Von: Pressestelle Vogelsbergkreis

Seit dem Jahre 2013 wurden ganz erhebliche Anstrengungen unternommen, um die rettungsdienstliche Versorgung der Bevölkerung des Vogelsbergkreises zu verbessern. Bereits im Jahr 2013 wurden zusätzlich 5 Leitstellensachbearbeiter eingestellt. Da es bislang noch keinen Sachbearbeiter für den Rettungsdienst im Vogelsbergkreis gab, wurde zu Beginn des Jahres 2014 diese Stelle qualifiziert besetzt. Zusätzlich wurden die organisatorischen Abläufe in der Leitstelle verbessert; u. a. wurde so das Alarmierungssystem Rescue-Track eingeführt. Weiterhin werden die Alarm- und Ausrückzeiten laufend überprüft.

Vorgenommene Überprüfung der Rettungsmittelinfrastruktur

Ende des Jahres 2014 wurde ein Fachplanungsbüro mit der Untersuchung beauftragt, in welchen Bereichen des Vogelsbergkreises Versorgungsdefizite bestehen und an welchen Standorten deshalb die Rettungsmittelinfrastruktur zu ändern sei.

Der Fachplaner stellte fest, dass es mit den vorhandenen Rettungsmitteln nicht möglich war, eine flächendeckende Versorgung mit Rettungswagen (RTW) sicherzustellen.

Im Hinblick auf die Abdeckung des Vogelsbergkreises mit Notarzt-Einsatzfahrzeugen (NEF) ergibt sich durch die Positionierung der NEF-Standorte in Alsfeld, Lauterbach und Ulrichstein ebenfalls eine defizitäre Versorgungssituation: Es ist nicht möglich,  größere Teile des Vogelsbergkreises innerhalb der NEF-Eintreffzeit von 15 Minuten zu erreichen. So sind die Ortsteile der Großgemeinde Grebenhain nicht erreichbar. Zudem sind weitere Ortsteile der Großgemeinden Freiensteinau sowie von Schlitz innerhalb der Eintreffzeit notärztlich nicht zu versorgen. Dem gegenüber gibt es auf der anderen Seite aber  Ortschaften in den Großgemeinden Grebenau, Herbstein, Lautertal und Schwalmtal, die innerhalb einer Eintreffzeit von 15 Minuten gleich durch zwei Notarzt-Einsatzfahrzeuge erreicht werden können.

Umgesetzte Verbesserungsmaßnahmen

Dementsprechend wurde weiterhin auf der Grundlage der damals geltenden Vorgaben im Landesrettungsdienstplan ermittelt, wo eine weitere Erhöhung von Rettungsmittel bedarfsgerecht wäre. Der Kreisausschuss auf der Grundlage des beauftragten Gutachtens in seiner Sitzung am 28.04.2016 die 4. Fortschreibung seiner Bereichsplanung mit einer weitergehenden Verbesserung der Rettungsmittelinfrastruktur. Bereits im Vorfeld hatten sich die Krankenkassen gegen die in der beschlossen Bereichsplanung enthaltene weitere Erhöhung der Rettungsmittel ausgesprochen.

In Übereinstimmung mit dem Ergebnis der Begutachtung und im Konsens mit den Krankenkassen erreichte es der Vogelsbergkreis jedoch, dass 4 zusätzliche Rettungswagen in Dienst gestellt werden konnten, die rund um die Uhr im Einsatz sind. So wurden die Rettungswachen in Alsfeld und Lauterbach ab Juli 2015 mit jeweils einem zusätzlichen Rettungswagen ausgestattet. Weiterhin konnte in Herbstein und Kirtorf ab 01.06.2016 jeweils eine Rettungswache in Betrieb genommen wurde. Damit sind jetzt statt  vorher 15 nun 19 Einsatzfahrzeuge im Einsatz. Durch diese Maßnahmen konnte eine ehebliche Verbesserung der rettungsdienstlichen Hilfsfrist erzielt werden.

Die Tagwachen in Grebenau und in Freiensteinau werden in 24/7-Wachen (Rund um die Uhr) umgewandelt.

Neue Planungsvorgaben im Oktober 2016

Nach dem Beschluss des Kreisausschusses über die Änderung zeichnete sich allerdings im Sommer des Jahres 2016 ab, dass das Land seinen sog. Landesrettungsdienstplan ändern würde. Dieser enthält die Vorgaben, wie die Landkreise die Rettungswachen und Notarztstandorte zu planen haben. Es ließ sich absehen, dass bei einer Änderung der Planungsgrundlagen in einem neuen Landesrettungsdienstplanes einige der Rettungswachen und Notarztstandort des gerade beschlossenen Bereichsplanes als nicht mehr bedarfsgerecht in Frage gestellt würden.  

Dementsprechend wären auch die Krankenkassen als Kostenträger nicht bereit gewesen, diese „nicht mehr als bedarfsgerecht“ anzusehenden Rettungsmittel zu finanzieren. Mit Erlass vom 11.10.2016 setzte erwartungsgemäß das Hessische Ministerium für Soziales und Integration mit Wirkung vom 01.01.2017 einen neuen Rettungsdienstplan des Landes Hessen mit geänderten Vorgaben für die Bereichsplanungen der Landkreise in Kraft.

Geänderte Planungsgrundlagen für RTW: Bei der Planung von Rettungswachen ist zu beachten, dass diese nun u.a. eine Mindestzahl von Notfällen aufweisen (200 Notfalleinsätze/Jahr) müssen. Sollte diese Einsatzmenge nicht erreicht werden, ist zu prüfen, ob eine Einhaltung der Hilfsfrist von 15 Minuten möglich ist, ohne im gesamten Rettungsdienstbereich die 90%ige-Einhaltung von 10-Minuten-Hilfsfrist (bzw. 15 Minuten in 95 %) der dringenden Notfälle in Frage zu stellen.

Während bislang eine bedarfsgerechte Notfallversorgung auf Gebiete bezogen war, die innerhalb der Hilfsfrist planerisch erreichbar sind und in denen auch in der Vergangenheit regelmäßig, d. h. mehr als 10 Notfallereignisse im Jahresdurchschnitt während der letzten 4 Jahre dokumentiert sind (Ausnahmegebiete), gilt nun die Vorgabe von mehr als 20 Notfallereignissen pro Jahr.

Geänderte Planungsgrundlagen für NEF: Nach den NEUEN Vorgaben im Landesrettungsdienstplan ist die geforderte bedarfsgerechte und wirtschaftliche Versorgung mit Leistungen der Notarztversorgung auf diejenige Gebiete bezogen, in denen auch in der Vergangenheit regelmäßig, d.h. mehr als 20 Notarzteinsätze im Jahresdurchschnitt während der letzten 4 Jahre dokumentiert sind.

Die erforderliche Raumabdeckung hat mit der geringstmöglichen Anzahl von Notarztsystemen zu erfolgen.

Eine weitere Vorgabe betrifft die Sicherstellung der Notfallversorgung auch an den Rändern der Rettungsdienstbereiche der Kreise. Um unwirtschaftliche Strukturen zu vermeiden, haben die benachbarten Landkreise die Funktionsfähigkeit des bereichsübergreifenden Rettungsdienstes zu gewährleisten und bei der eigenen Bedarfsplanung zu berücksichtigen. Dies bedeutet, dass die die Notarztversorgungsbereiche der Notarztsysteme eines Landkreises mit den benachbarten Landkreisen abzustimmen und so zu wählen sind, dass auch eine bereichsübergreifende Versorgung möglichst ohne Überschneidung der einzelnen Versorgungsbereiche erfolgt.

Aus dem Umstand, dass ein RTW grundsätzlich innerhalb von 10 Minuten und ein NEF grundsätzlich innerhalb von 15 Minuten den Notfallort erreichen muss, ist ersichtlich, dass primäres Rettungsmittel der Rettungswagen ist und das Personal des Rettungswagens die lebenserhaltenden Maßnahmen sicherzustellen hat.

Ergebnis der Neuplanung der NEF-Standorte

Nach Bekanntwerden des neuen Landesrettungsdienstplanes hat Herr Landrat Görig zur Vermeidung von Verzögerungen durch die neuen Planungsvorgaben bereits im Oktober 2016 angeordnet, eine Neuplanung des Rettungsmittelbedarfs anhand der geänderten Vorgaben im Landesrettungsdienstplan durchzuführen. Deshalb wurde bei der FORPLAN Forschungs- und Planungsgesellschaft für Rettungswesen, Brand- und Katastrophenschutz mbH eine Überprüfung der bisherigen Planung nach den geänderten Vorgaben in Auftrag gegeben. Dieses wurde unter Berücksichtigung von Vorüberlegungen der Kreisverwaltung Anfang des Jahres 2017 erstattet.

Bei der Überprüfung der NEF-Standorte war zu beachten, dass – wie oben ausgeführt - hinsichtlich einzelner Gebietsteile Doppelabdeckungen und deshalb zum Nachteil anderer Orte Versorgungsdefizite bestehen. Dieser Zustand widerspricht dem dargestellten Planungsgebot (auch) des neuen Landesrettungsdienstplanes, nach dem der Versorgungsbereich die maximale mögliche Größe und die minimal mögliche Überschneidung mit einem benachbarten Versorgungsbereich haben muss. Konsequent hat das beauftragte Planungsbüro ermittelt, wie die NEF-Standorte zu positionieren sind, um mit der geringstmöglichen Anzahl von NEF-Standorten die größtmögliche Flächenabdeckung zu erreichen.

Dabei war von dem Gutachter zu berücksichtigen, inwieweit Notarztstandorte aus Nachbarkreisen Grenzbereiche im Vogelsbergkreis mitabdecken können. Als Ergebnis stellte der Gutachter fest, dass bei einer Verschiebung der Notarzt-Standorte von Lauterbach nach Schlitz-Willofs und von Ulrichstein nach Ilbeshausen die nicht gewünschte Doppelabdeckung möglichst vermieden und insbesondere die Abdeckung der bislang nicht versorgten Orte erreicht werden kann.                                                                 

Die im Gutachten dargelegten Verlegungen der NEF-Standorte Ulrichstein und Lauterbach sowie der ermittelte Rettungsmittelbedarf wurden einstimmig im Bereichsbeirat für den Rettungsdienst des Vogelsbergkreises, dem neben Vertretern der Kreisverwaltung auch Vertreter der Kassen und der Leistungserbringer angehören, als nach den neuen Vorgaben bedarfsgerecht beurteilt.

In seiner Sitzung am 21.03.2017 hat anschließend einstimmig der Kreisausschuss des Vogelsbergkreises diese Maßnahmen in einer 5. Fortschreibung des Bereichsplanes beschlossen.

Fortlaufende Überprüfung der Einsatzzahlen

Nach den Vorgaben im Landesrettungsdienstplan ist die im Bereichsplan festgelegte Gesamtvorhaltung der Rettungsmittelinfrastruktur regelmäßig, mindestens im Abstand von 5 Jahren,  zu überprüfen. Wenn sich jedoch wesentliche Veränderungen ergeben, sind diese vorher im Bereichsplan fortzuschreiben und umzusetzen. Sollten sich deshalb in einem relevanten Beurteilungszeitraum die Einsatzzahlen, rechtliche Planungsvorgaben oder Abdeckungsmöglichkeiten durch Nachbarkreise verändern, ist dem durch eine neue Planung Rechnung zu tragen.

Ergänzung: Einsatzzahlen 2016

  • Einsätze NEF = 4.029
  • Einsätze RTW = 13.100

Dateien:
KarteVBKreis_NEF_RTW.pdf411 K