Kontakt
Kreisverwaltung
Goldhelg 20
36341 Lauterbach
Telefax: +49 6641 977-336

Bergmähwiesen-Meisterschaften 2018

Die Sieger der Bergmähwiesen-Meisterschaft 2018

Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak begrüßte die zahlreichen Bürgerinnen und Bürger und vor allem die Gewinner der ersten Bergmähwiesen-Meisterschaft in Eichelhain sowie viele Vertreter aus Politik, Landwirtschaft, Naturschutz und der Nachhaltigkeits-Initiative NÄHE IST GUT (von dort kamen die Preisgelder). NIG wird von REWE, Schwälbchen und Hassia getragen.

Bergmähwiesen im Vogelsberg - was ist das Besondere?

Dr. Mischak: Die Bergmähwiese ist die Bezeichnung eines zu schützenden Lebensraumtyps von dem ca. 1.000 Hektar im Vogelsberg zu finden sind. Sie umfassen damit rund die Hälfte der hessischen Vorkommen. Zum Teil 70 Arten auf nur 25 Quadratmeter - das ist eine Vogelsberger Besonderheit. Aufgrund der außerordentlich hohen Artenvielfalt dieses Lebensraums ist uns allen der Erhalt und die Weiterentwicklung der Bergmähwiesen ein wichtiges Anliegen. Das 5. Bergmähwiesenfest in Lautertal-Eichelhain steht unter dem Motto Naturerleben in Eichelhain „Am Traiges“. In guter Zusammenarbeit mit der Gemeinde Lautertal, den Vereinen, die die Versorgung mit Essen und Getränken gewährleisten, den Landfrauen und der Feuerwehr ist wieder mal ein großes Fest auf die Beine gestellt worden.

Vorgeschichte zu den Bergmähwiesen-Meisterschaften:

Am 10. April 2018 hatten Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak und die Leiterin des Amtes für Wirtschaft und den ländlichen Raum, Anja Püchner zusammen mit der Nachhaltigkeitsinitiative „Nähe ist gut“ - bestehend aus Hassia, Rewe und Schwälbchen - und dem Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg die erste Bergmähwiesen-Meisterschaft im Vogelsbergkreis ausgelobt und engagierte Landwirte zum Mitmachen aufgerufen. Ziel der Meisterschaft ist es, den Landwirten, die ihren Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft leisten, ein Gesicht zu geben und ihre Verdienste für die Gesellschaft zu würdigen. Der Erhalt der Artenvielfalt geht uns alle an und denjenigen Wertschätzung entgegenzubringen, denen es gelingt ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen Interessen und naturnaher Bewirtschaftung herzustellen, ist Teil der Bergmähwiesen-Meisterschaft.

Die Nachhaltigkeitsinitiative hat dafür 5.000 Euro Preisgelder zur Verfügung gestellt und das Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg sorgte für die Finanzierung der „Nebenkosten“. Am 7. Mai endete die Anmeldefrist und der Rücklauf war beeindruckend. 24 Anmeldungen aus allen fünf Gemeinden waren eingegangen. Am 11. Mai 2018 fand ein erstes Treffen mit Dr. Rainer Oppermann statt. Der Experte für Wiesenmeisterschaften im süddeutschen Raum kam extra in den Vogelsberg gereist, um den Akteuren vor Ort die Vorgehensweise bei der Bewertung der Wiesen direkt auf den Vogelsberger Bergmähwiesen zu erläutern. Durch die weitreichenden Erfahrungen des Leiters des Instituts für Agrarökologie und Biodiversität konnten viele Fachfragen beantwortet werden. Der Tag diente dazu, für den Vogelsberg maßgeschneiderte Bewertungskriterien herauszuarbeiten und das Konzept „Wiesenmeisterschaft“ praxisnah zu erörtern. Danach war man gut gewappnet, um den Wettbewerb fest in der Region zu etablieren.

Dann folgten drei Wochen, in denen Wolfgang Wagner vom Planungsbüro PlanWerk alle 24 angemeldeten Wiesen kartierte und eine erste Bewertung vornahm. Am 7. Juni traf sich die Jury - bestehend aus Vertretern des Amtes für Wirtschaft und den ländlichen Raum, des Naturschutzgroßprojekts Vogelsberg, des Kreisbauernverbands Vogelsberg und der Naturschutzverbände, um gemeinsam die Platzierungen zu vergeben. Neben dem Artenreichtum wurden auch futterbauliche Kriterien bewertet, um zu zeigen, dass artenreiche Wiesen auch einen hohen Futterwert haben können und vor allem qualitativ spitzenmäßig sind. Der hohe Anteil an Kräutern, von denen viele eine Arzneiwirkung haben, wirkt sich auch positiv auf die Tiergesundheit aus.

Die insgesamt 12 Sieger wurden beim 5. Bergmähwiesenfest feierlich prämiert sowie zusätzlich zwei Sonderpreise für die „artenreichste Wiese“ vergeben.

Warum Bergmähwiesen-Meisterschaften?

Wiesenmeisterschaften sind ein sehr effektives Instrument der Öffentlichkeitsarbeit, mit dem Ziel das Bewusstsein und die Wertschätzung für die Bewirtschaftung artenreicher Grünlandbestände und zugleich landwirtschaftlich guter Nutzung zu fördern. Dabei gibt es Win-win-Effekte für alle Beteiligten – Landwirtschaft, Ökologie, Naturschutz, die Region Vogelsberg und die Gesellschaft.

Mit gemeinsamen Kräften, der fachkundigen Unterstützung durch die Mitarbeiter im Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg und der Abteilung Landschaftspflege in unserem Amt für Wirtschaft und den ländlichen Raum und einem externen Gutachterbüro ist es gelungen, die Bergmähwiesen-Meisterschaften vorzubereiten und das Ergebnis heute und hier in Eichelhain zu präsentieren.

Gut für die Natur:

  • Bergmähwiesen haben eine wunderbare Vielfalt an Blumen, Kräutern und Gräsern. Dort leben seltene Vögel und eine Vielzahl an Schmetterlingen, Heuschrecken und andere Insekten. Auf 25 m² Referenzfläche kommen bis zu 70 Pflanzenarten vor. Diese Vielfalt wird in keinem anderen Biotop erreicht – das macht die Bergmähwiesen zu einem der wertvollsten Naturräume in Mitteleuropa.
  • Die Bauern leisten mit ihrer Arbeit Landschaftspflege zum Erhalt der Bergmähwiesen, erzielen jedoch nur ein geringes Einkommen.Sie tragen jedoch zur wirtschaftlichen und sozialen Stabilität in einer der größten zusammenhängenden Grünlandregionen Hessens bei.
  • Unsere Landwirte schaffen den Spagat zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und leisten ihren Beitrag zum Erhalt der Biodiversität.
  • Die jahrhundertalte Form der Bewirtschaftung der Bergmähwiesen klingt idyllisch, ist aber nach modernen Ansprüchen der Landwirtschaft wenig effizient: geringe bis keine Düngung, nur ein bis zweimal im Jahr mähen.
  • Und trotzdem müssen die Wiesen gemäht und bewirtschaftet werden, um sie für die nachfolgenden Generationen zu erhalten.
  • Denn sonst würde die einzigartige Pflanzen- und Tiervielfalt innerhalb von wenigen Jahren verschwinden und Hessen ist um einen wertvollen Naturraum ärmer.

Gut für die Verbraucher:

Die besondere Pflanzenvielfalt der Bergmähwiesen können Verbraucher erleben: Käse und andere Milchprodukte von Tieren der Bergmähwiesen oder Wurst- und Fleischwaren aus dem Vogelsberg haben eine hohe Qualität und einen guten Geschmack. Mit dem ersten Produkt von der Bergmähwiese soll heute begonnen werden, dieses in die Vermarktung (über REWE) zu bringen: Das Vogelsberger Imker-Projekt Die Biene ist Imageträger und wichtiger Bestandteil eines funktionierenden Ökosystems. Diese Tatsache kann hervorragend über das Produkt Honig transportiert werden. Der Vogelsbergkreis hat ein starkes Interesse an der Entwicklung von typischen und unverwechselbaren Produkten aus der Region.

Deswegen haben sich auf Initiative des Vogelsbergreises und der Nachhaltigkeitsinitiative „Nähe ist Gut“ – vertreten durch die Agentur Dr. Lichtl –  zehn Imker auf den Weg gemacht, um in einem ersten Schritt ein Label für ihren Vogelsberger Blütenhonig zu kreieren und diesen heute auf dem Bergmähwiesenfest erstmalig zum Verkauf anzubieten. In einem weiteren Schritt soll die Zahl der sich im Projekt engagierenden Imker ausgeweitet werden und der Vertrieb, über zahlreiche REWE-Märkte organisiert werden. Der Vogelsberger Blütenhonig (im übertragenen Sinn) als Botschafter der Bergmähwiese wird in den Regalen der Hessischen REWE-Märkte eine feste und unverwechselbare Größe werden.