Das Amt für den ländlichen Raum Vogelsberg befasst sich seit über einem Jahr mit Möglichkeiten der energetischen Nutzung unserer heimischen Biomasse - (nachwachsende Rohstoffe) - NAWARO's
Warum eine eigene Energiesicherung ?
- Die Erdgas- und Erdöllieferungen, bspw. aus Russland, zeigen unsere
ergetische Abhängigkeit und Verwundbarkeit. Die in den letzten Jahren rapid
gestiegenen Kraftstoff-, Erdöl- und Erdgaspreise verdeutlichen, wie diese
fossilen Energierohstoffe auf Spekulationen, Krisen und Nachfrageerhöhungen
preislich reagieren.
- Diese Abhängigkeit von den fossilen Energieträgern und der zukünftig
begrenzten Förderung, belegen, wie wichtig zukünftig eine eigene
Energiesicherheit ist (weltweit reicht Erdöl noch ca. 60 Jahre und Erdgas noch
ca. 80 Jahre).
- Auch von den zur Zeit etwas rückläufigen Öl- und Gaspreisen sollten wir uns
nicht über die zukünftigen Preisentwicklungen, die weiter steigend sein
werden, täuschen lassen. Die Hinweise für eine langfristige weltweite
Verknappung sind eindeutig.
- Nur wer heute die Weichen für eine eigene möglichst hohe Energiesicherheit
stellt (wie z. B. Österreich = 68 % durch regenerative Energien bei der
Stromversorgung), dem können doppelt oder dreifach künftige Öl- oder
Gaspreiserhöhungen nicht viel anhaben.
- Auch das politische Ausgeliefertsein durch Lieferstopps ist dann schwerer
möglich.
Wir in der ländlichen Vogelsbergregion können durch unsere Biomasse, die jährlich immer wieder neu heran wächst, eine eigene Energiesicherheit erreichen und zudem bleibt die Wertschöpfung in der Region.
Das Flächenpotenzial, auf dem außer Lebensmittel auch noch NAWARO's gewonnen werden können:
- 32.000 ha Grünland
davon 2.000 ha Hutungen
6.000 ha extensiv genutztes Grünland
24.000 ha Wirtschaftsgrünland (konventionelle wie auch Öko-Bewirtschaftung)
- 31.000 ha Ackerland
20.000 ha Getreide
5.000 ha Hackfrucht
6.000 ha Raps
- 54.000 ha Wald
- 8.000 ha Feldgehölze
AG Biomasse
Die AG Biomasse hat sich, nach öffentlichem Aufruf unter Leitung des AlR gegründet. Die rd. 35 Mitglieder mit Vertretern aus Land- und Forstwirtschaft, Politik und Wirtschaft sowie interessierten Bürgern repräsentieren die Bandbreite der Akteure, die erforderlich sind, Projekte für die heimischen NAWARO's und zur Sicherung der Kulturlandschaft, anzuschieben.
Bisherige Aktivitäten
- Fachvorträge aus der Wirtschaft
- Besichtigung bereits realisierter regionaler Projekte
- Energie aus biogenen Brennstoffen, Referat des Landesbetrieb Landwirtschaft
Thüringen (Herr Hering), Organisation: Kreisbauernverband
- Großveranstaltung zum Thema: Energetische Verwertung von Biomasse nach dem
Verfahren von Prof. Scheffer (Referent), Organisation: Wasser- u. Bodenverband,
AG Biomasse. Ergebnis: Umsetzungsorientierte Machbarkeitsstudie einer
entsprechenden Anlage im Vogelsbergkreis soll zeitnah in Auftrag gegeben werden.
- Fragebogenaktion zum Grünlandpotenzial und zur energetischen Verwertung des
Auswuchses. Ergebnis: Die Annahme wurde bestätigt, dass rd. 10.000 ha Grünland
des Vogelsbergkreises mittel- bis langfristig nicht mehr oder nur noch eingeschränkt
genutzt werden wird. Rund 90 Landwirte gaben an, sich an Kooperationen beteiligen
oder eine eigene Anlage betreiben zu wollen.
- Die Arbeitsgruppe zur Verwertung von NAWARO's in Kleinfeuerungsanlagen.
Dieser Zusammenschluss aus Energielieferanten, Heizungsbauern sowie der
genehmigenden (Bauamt) und überwachenden (Schornsteinfeger) Stelle erörtert
vorzugsweise die genehmigungsrechtlichen und verfahrenstechnischen Details,
bspw. im Bereich der Getreideverbrennung. Ziel ist es, auf möglichst kurzen Wegen die
regional erzeugten Brennstoffe in die Heizungsanlagen der Kleinverbraucher gelangen
zu lassen. Hier fanden 3 Veranstaltungen statt; die Fortsetzung in 2007 ist geplant,
soweit die zukünftig neuen Richtlinien für eine Getreidenutzung in Kleinanlagen
vorliegen.
Die bisher genutzten u. möglichen heimischen NAWARO's
Scheidholz - Kamin bis Vergaserheizanlage je nach Eigenwerbung - bisher noch
preiswerter Brennstoff
Holzhackschnitzel - mehrere Hersteller - wenige Anlagen
Holzpellets - bisher kein VB Hersteller, jedoch zahlreiche Lieferanten, Herstellung und
Transport sehr energieaufwendig.
Die Pellet-Feuerungsanlagen sind ausgereift. Lagerraum für einen
Jahresbedarf ist erforderlich.
Holzbriketts - für spezielle Feuerungsanlagen
Energiegetreide - in Heizungsanlagen über 100 KW zugelassen. Nach Hackschnitzel der
preiswerteste Brennstoff, jedoch besser verfügbar als Hackschnitzel.
In Heizungsanlagen von 15-100 KW bisher nur in Pilotanlagen möglich.
In Hessen 2 Anlagen, in der BRD ca. 10 Anlagen.
Eine Zulassung als Regelbrennstoff für die Landwirtschaft könnte nach
der Änderung der 1. BIMSCH-Verordnung möglich sein.
Strohpellets (graues Stroh) mit Kalkzusatz - bisher wenige Produzenten in Deutschland,
jedoch preiswerter als Holzpellets, an die Feuerungstechnik werden höhere
Ansprüche gestellt.
Strohballen - über spezielle Heizanlagen sehr gut möglich. Bisher eine Anlage im Schlitzer
Land.
Heu als Pellet oder Ballen - die Feuerungsanlagen befinden sich noch in der Entwicklung.
Ein Kostenvergleich der aktuellen Preise
Ein Liter Heizöl oder ein Kubikmeter Erdgas zum derzeitigen Preis von über 0,55-0,65 €
einschl. Mwst. kann in seiner Energieleistung durch folgende NAWARO's ersetzt werden:
2,5 kg Energiegetreide zum Preis von ca. 0,20-0,32 € incl. Mwst.
3,0 kg Stroh zum Preis von ca. 0,15-0,20 € incl. Mwst.
2,5 kg Holzhackschnitzel (derzeitig noch) zum Preis von ca. 0,12-0,20 € incl. Mwst.
2,0 kg Holzpellets zum Preis von ca. 0,50 € incl. Mwst.
2,5 kg trockenes abgelagertes Scheitholz (aus Selbstwerbung) zum Einkaufspreis von
derzeit noch ca. 0,12 € incl. Mwst.
Während die Holzprodukte an ihre Verfügbarkeitsgrenze stoßen, gibt es bei der Nutzung der landwirtschaftlichen NAWARO's (Mai, Ganzpflanzen, Energiegetreide, Stroh (Heu) und Energieholz) noch erhebliche Reserven.
Vor allem auf dem Land bieten sich diverse Einzellösungen an, wie z. B. eine gemeinsame Heizanlage mit entsprechendem Nahwärmenetz für vier und mehr Haushalte. Denn größere Kesselanlagen sind im Verhältnis zu Einzelkesseln deutlich günstiger. Ideal wären Heizanlagen, die von Hackschnitzel über Energiegetreide bis zum Stroh befeuert werden können.
Das unterschiedliche Abbrandverhalten von Holz, Getreide und Stroh sowie die Unterschiede bei Asche und Feinstaub sind bei der Anlagenplanung und der späteren Betreuung zu berücksichtigen.
Einsparpotenziale und zukünftige Energieversorgung
- Alle Schwachstellen für Energieverluste beseitigen: u. a. durch Dämmung, bessere
Fenster, Abluftwärmetauscher u. neue energiesparende Heizungsanlagen.
- Die Errichtung und der Betrieb einer Biogasanlage ist in der Regel nur dann
wirtschaftlich, wenn neben dem Strom auch die Wärme für die nächsten 20 Jahre
profitabel vermarktet werden kann.
Hinweis
Falls Sie den Anbau von Energieholz planen, setzen Sie sich bitte mit dem Amt für den ländlichen Raum, Adolf-Spieß-Str. 34, 36341 Lauterbach in Verbindung.
Ihre Ansprechpartner sind:
Lorenz Kock, Tel.: 06641/977-3521, e-mail: lorenz.kock@vogelsbergkreis.de
Fax: 06641/977-3501